Biogas wird in Niedersachsen immer mehr zum klimaschonenden Systemdienstleister im erneuerbaren Strom,- Wärme und Mobilitätsbereich sowie im Landwirtschaftssektor. Mit 1.662 überwiegend landwirtschaftlichen Biogasanlagen, die über eine Bemessungsleistung von 892 MWel verfügen, nimmt Niedersachsen bundesweit eine Führungsrolle ein: Etwa 22 % des Biogasstroms in Deutschland werden von niedersächsischen Anlagen erzeugt. Rund 30 % der Bemessungsleistung kann mittlerweile flexibel bereitgestellt werden. Dies zeigt die aktuelle Inventur „Biogas in Niedersachsen“, die nunmehr in achter Auflage im Auftrag des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie und Klimaschutz und des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz vom 3N Kompetenzzentrum Niedersachsen Netzwerk Nachwachsende Rohstoffe und Bioökonomie e.V. erstellt wurde.

Entwicklung des nds. Biogasanlagenbestands sowie der Bemessungs- und installierten Leistung, Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz; Nds. Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz; 3N Kompetenzzentrum e. V.
Entwicklung des nds. Biogasanlagenbestands sowie der Bemessungs- und installierten Leistung, Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz; Nds. Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz; 3N Kompetenzzentrum e. V.

Der Neubau von Biogasanlagen verlief in den Jahren 2017 und 2018 wie erwartet auf sehr niedrigem und deutlich geringerem Niveau als in den Vorjahren. Gegenüber der letzten Inventur 2016 kamen insgesamt 28 Biogasanlagen dazu. Dabei handelt es überwiegend um kleine Gülleanlagen mit einer elektrischen Leistung bis 75 kW. Mit einer Anzahl von insgesamt 139 Anlagen haben diese kleinen NawaRo-Biogasanlagen 2018 einen Anteil von 8,4 % am Gesamtanlagenbestand. Mit der EEG Novellierung 2014 konnte sich dieser Anlagentyp besonders für Milchviehbetriebe bei Bestandserweiterungen und Stallneubau, zur Schaffung weiterer Güllelagerkapazitäten und zur Verbesserung der Düngewirkung der Gülle etablieren.

Im Sinne der flexiblen Strom- und Wärmebereitstellung haben im gleichen Zeitraum 402 Biogasanlagen ihre Leistungskapazität erhöht. Durch Auswertung des Anlagenregisters der Bundesnetzagentur ergibt sich eine Überbauung von rund 260 MWel, wodurch rund 30 % der Bemessungsleistung flexibel nach Strombedarf bereitgestellt werden können. Neben der Eigennutzung (28 %) werden rund 40 % der bei der Stromerzeugung anfallenden Wärme zur Versorgung von kommunalen Nahwärmenetzen, öffentlichen und privaten Gebäuden sowie von Gewerbebetrieben genutzt.

35 Biogasanlagen speisten 2018 aufbereitetes Biomethan in das Erdgasnetz ein. Die Einspeiseleistung der niedersächsischen Anlagen betrug insgesamt 14.360 Norm-Kubikmeter Biomethan pro Stunde, was einer elektrischen Leistung von 57,4 MWel entspricht.

Insgesamt werden in Niedersachsen 97 % der Biogasanlagen als NawaRo-Anlagen betrieben. Diese mit Energiepflanzen, Futterresten und Wirtschaftsdüngern (Gülle/Mist) geführten Anlagen verfügen über eine Bemessungsleistung von rund 843 MWel und benötigen für den Anbau von Biomasse für die Biogaserzeugung im Landesmittel 10,7 % der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche, wobei deutliche regionale Unterschiede bestehen.

Gut 42 % der 22,8 Mio. Tonnen Substrate in niedersächsischen Biogasanlagen waren Nebenprodukte und Reststoffe. Ihr Anteil an der elektrischen Leistung macht zusammen allerdings nur 18 % aus. Insgesamt werden durch die Biogasnutzung in Niedersachsen jährlich rund 3,6 Mio. t CO2 vermieden.

Die Broschüre „Biogas in Niedersachsen“ kann in der Rubrik Wissen und Service heruntergeladen oder über das 3N Kompetenzzentrum bezogen werden (E-Mail: Bitte Javascript aktivieren!; Tel. 05951-989310).