Geballtes Interesse an der Zukunft der heimischen Eichenwirtschaft
Am 07. Mai 2025 fand erneut die Tagung des Kompetenznetzes für nachhaltige Holznutzung e.V. (NHN) in Göttingen statt. Durch die vielfältigen Herausforderungen sowie veränderte Klimabedingungen der letzten Jahre wurde die Eiche und ihre Bewirtschaftung Zentrum der Betrachtungen. Unter dem Titel "Eichenwirtschaft – Risiken und Zukunftsperspektiven" versammelten sich knapp 300 Teilnehmende, um auf der Grundlage acht vielfältiger und tiefgründiger Vorträge über die Eiche in der Forst- und Holzwirtschaft zu diskutieren und sich auszutauschen.
Die Eiche - Vergangenheit und Zukunft liegen nah beieinander
Die Referenten schlugen inhaltlich einen Bogen von der Historie der Eiche und ihrer Verankerung in der Symbolik und Kultur, über die aktuellen Herausforderungen der Eichenwirtschaft auf Revier-, Forstamts- und Betriebsebene bis hin zur Zukunft der Eiche und ihrer Anpassung an den Klimawandel.
So wurde die herausragende Bedeutung der Eiche als kulturhistorisch prägende Baumart verdeutlicht und die Vielfalt ihrer Nutzung kontextualisiert. Die heutige Eichenwirtschaft ist jedoch durch hohe Unsicherheiten geprägt. Die Entscheidung zur Investition in Eichenkulturen sollte aufgrund hoher Begründungs- und Pflegekosten, ökonomischer Unsicherheiten und langer Produktionszeiträume daher gut abgewogen sein. Aus den Praxisbeispielen lässt sich jedoch ableiten, dass eine investive Verjüngung zum jetzigen Stand der Standard ist, um den Erhalt der Eichenbestände zu gewährleisten, es sollte jedoch auch die Naturverjüngung gefördert und miteinbezogen werden. Pflege und Nutzung der älteren Bestände sind seit einigen Jahren häufig durch Befall mit Eichenprachtkäfer und Eichenkernkäfer geprägt. Einigkeit über alle Vorträge hinweg bestand darin, dass die aktive Bewirtschaftung von Eichenwaldgesellschaften eine wesentliche Voraussetzung für deren langfristigen Erhalt darstellt.
Dies wirft auch die Frage nach dem Erhalt der Eichen-Lebensraumtypen, die Eiche gilt aufgrund ihrer hohen Strukturvielfalt und der daran angepassten Fauna als Schlüsselbaumart im Naturschutz, auf. Innerhalb von Schutzgebieten besteht durch den Erhaltungsgebot häufig ein hoher Wiederherstellungsbedarf, der durch klimatische Veränderungen und Standortdrift die Forstbetriebe vor große Herausforderungen stellt. Dabei kristallisierte sich heraus, dass das derzeitige Konzept der Eichen-Lebensraumtypen durch die erwähnten Herausforderungen einer Überabeitung bedarf, um zukunftsfähig zu bleiben.
Im Bereich Forstschutz wurden die zunehmenden Herausforderungen durch Eichenprachtkäfer und nachfolgend auftretende Eichenkernkäfer hervorgehoben. Die Vorträge verdeutlichten, dass künftig verstärkte Anstrengungen erforderlich sein werden, um Schäden wirksam zu begrenzen. Positiv lässt sich jedoch vermerken, dass nach den Kalamitäten der letzten jahre der Eichen-Prachtkäferbefall in Nordwestdeutschland abzunehmen scheint. Gleichzeitig gibt es Erkenntnisse über die Abwehrerscheinungen an der Eiche, an welcher Stressfaktoren erst zeitverzögert wirken.
Der Schwerpunkt der Tagung lag auf der Verwendung und Verwertung der Eiche. In mehreren Vorträgen wurde auf die prekäre Situation der Sägebetriebe eingegangen, die seit dem ENde der 2010er Jahre einen starken Anfall befallenen Holzes bearbeiten und weiterleiten müssen. Kritisch war dies insbesondere, da der Befall nicht direkt erkennbar war und ist und die Unsicherheit in der Weiterverarbeitung jarhelang zu einem großen Wertverlust geführt hat. Die ersten Schritte hin zur Marktfähigkeit befallenen Eichenholzes wurden inzwischen durch die teilweise Zulasssung von Fraßgängen für die Vermarktung erzielt. Die Skepsis wird dabei oft von Fachkunden entgegengebracht, private Endverbraucher sind bei Aufklärung und entsprechendem Marketing erfolgreich zu vermitteln, insbesondere bei Produkten im Innenbereich und Möbeln. Dabei ist insbesondere festzuhalten, dass Eichenholz weiterhin am Markt geschätzt wird. Allerdings limitieren aktuelle Produktstandards noch die Nutzung käferbefallener Sortimente, Kernkäferbefall habe jedoch keinen signifikanten Einfluss auf eine Verwendung als Konstruktionsholz.
Zuletzt wurde das Anpassungspotenzial der Eiche an den Klimawandel diskutiert. Unterstrichen wurde, dass die genetischen Ressourcen der Eiche bislang vielfach unterschätzt werden. Eichen sind aufgrund ihrer Genetik besser an extremere Standortbedingungen angepasst, wodurch der Baumart eine deutlich höhere Anpassungsfähigkeit zugeschrieben werden kann, als häufig angenommen wird. Auch soll auch die Auswahl der Saatgutbestände sowie der Einsatz des Saatgutes weiterhin wissenschaftlich begleitet werden, um die genetische Variabilität zu , da die Auswahl des passenden Saatgutes auch für die Anpassungen im Klimawandel elementar bleiben.
Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Eiche als eine Baumart mit großer ökologischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Relevanz für die Wälder der Zukunft bewertet wird. Innovationen und eine konstante Reflexion des Zustands der Eichenbestände sind jedoch unabdingbar.
Tagungserkenntnisse zum Nachlesen
Der anregende Diskurs dauerte bis lange in den Nachmittag und beschäftigte die Teilnehmenden nachhaltig. Die Eichenarten werden uns in den heimichen Wäldern unter einem hohen Pflegeaufwand erhalten bleiben, für den Erhalt der Lebensraumtypen ist dies sogar unabdingbar, sie bleiben jedoch vor Beeinträgchtigungen durch den Klimawandel sowie Sekundärschädlingen des Klimawandels nicht verschont. Durch den innovativen Einsatz neuer Sortimente und Produkte sowie dem Einsatz weiterer Eichenarten und dem frühzeitigen Eingreifen im Forstschutz sollte es gelingen, die Eichenwälder und ihre Koppelprodukte noch über Jahrzehnte zu halten.
Das detaillierte Programm sowie die einzelnen Vorträge und Abhandlungen können unter dem folgenden Link nachgelesen werden: www.kompetenznetz-holz.de/nhn-tagung-2026
Ehrung forstlicher Nachwuchskräfte
Zusätzlich wurden im Rahmen der Tagung herausragende wissenschaftliche Abschlussarbeiten von Studierenden mit dem NHN-Förderpreis ausgezeichnet. Geehrt wurden in diesem Jahr eine Bachelorarbeit sowie eine Masterarbeit, die die innovativen und aktuellen Forschungsfelder abbilden. Mareen Ballauf wurde für ihre Bachelorarbeit an der Georg-August-Universität ausgezeichnet, in der sie die eine Kritik zur Methodenentwicklung einer Deep Learning-basierten visuellen Erkennung des Qualitätsmerkmals "Rotkern" an Buchenstammquerschnittsflächen entwickelte. Philipp Kuhlmann erhielt den Förderpreis für seine Masterarbeit an der FH Salzburg, in der er sich den Auswirkungen der Vitalitätssschwäche auf Rotbuchenholz nach klimatischen Extrembedingungen gewidmet hat.