Im Harz entsteht ein neuer Wald – widerstandfähiger und besser an den Klimawandel angepasst.
Der Wald im Harz bekommt eine neue Perspektive. Auf den Flächen, die in den vergangenen Jahren durch Stürme, Trockenheit und Borkenkäferbefall stark geschädigt wurden, sollen widerstandfähige und klimaangepasste Mischwälder entstehen. Für diese Wiederbewaldung gaben Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies, Forstministerin Miriam Staudte und Umweltminister Christian Meyer heute den symbolischen Startschuss: Sie pflanzten junge Eichen gemeinsam mit den Niedersächsischen Landesforsten im Forstamt Lauterberg. Dieses gehört, vor allem im Bereich Braunlage, zu den am meisten geschädigten Bereichen im Harz.
Grundlage für die Wiederbewaldung ist das von den Niedersächsischen Landesforsten (NLF) entwickelte „Wiederbewaldungs- und Waldentwicklungsprogramm Harz“, das die Niedersächsische Landesregierung beschlossen hat. Die Umsetzung des Programms hat bereits begonnen. Mit dem Beschluss hat die Landesregierung zugleich den langfristigen Rahmen für die Wiederbewaldung und Entwicklung des Harzes geschaffen.
Die Gesamtkosten für die Umsetzung werden auf rund 130 Millionen Euro über einen Zeitraum von zehn Jahren geschätzt. Rund 117 Millionen Euro werden aus zweckgebundenen Rücklagen der Niedersächsischen Landesforsten sowie aus dem land- und forstwirtschaftlichen Bereich des Sondervermögens „Wirtschaftsförderfonds“ des Landes finanziert.
Ministerpräsident Olaf Lies:
„Heute setzen wir die ersten Bäume in die Erde, aber eigentlich pflanzen wir Zukunft. Die Wiederbewaldung des Harzes ist eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben für Niedersachsen. Wir schaffen einen Wald, der besser auf die Folgen des Klimawandels vorbereitet ist und seine vielfältigen Funktionen für Mensch, Natur und Wirtschaft auch für kommende Genrationen erfüllen kann. Dafür braucht es langen Atem, Verlässlichkeit und Investitionen. Genau dafür steht dieses Programm.“
Forstministerin Miriam Staudte:
„Die Waldschäden im Harz haben uns eindrücklich gezeigt, dass wir nicht am Gewohnten festhalten können. Mit der Wiederbewaldung schaffen wir eine Grundlage für einen neuen, vielfältigen und widerstandfähigen Wald – mit Baumarten, die besser mit der Trockenheit und den veränderten Klimabedingungen zurechtkommen. Wir danken den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Landesforsten für das bisher Geleistete und sichern weitere Unterstützung zu. Wir investieren in die Wälder von morgen und damit in die Zukunftsfähigkeit des Harzes.“
Umweltminister Christian Meyer:
„Die großflächigen Schäden im Harz machen deutlich, dass wir den Waldumbau weg von anfälligen Fichtenmonokulturen und hin zu resilienten Bergmischwäldern mit Hochdruck vorantreiben müssen. Mit dem neuen Programm investieren wir gezielt in stabile, naturnahe Ökosysteme, die nicht nur der Klimakrise trotzen, sondern gleichzeitig die Biodiversität stärken und unsere wichtige Trinkwasserversorgung sichern. Es ist großartig zu sehen, wie hier Hand in Hand für die Zukunft des Harzes gearbeitet wird.“
Das „Wiederbewaldungs- und Waldentwicklungsprogramm Harz“ basiert auf dem bewährten Waldbauprogramm LÖWE+. Ziel ist es, die betroffenen Flächen, insgesamt 30.000 Hektar, zu widerstandsfähigen, artenreichen und an die Folgen des Klimawandels angepassten Bergmischwäldern zu entwickeln. Die NLF setzen dabei gleichermaßen auf die natürliche Ansamung verschiedenster Baumarten des Harzes in Verbindung mit Pflanzungen zusätzlich geeigneter klimaangepasster Baumarten. Der Schwerpunkt liegt zunächst auf trockenheitsresistenten Laub- und Nadelbaumarten, wobei Pionier- und Lichtbaumarten einen hohen Anfangsanteil einnehmen. Mittel- bis langfristig soll die Baumartenzusammensetzung überwiegend aus sogenannten Schlusswaldbaumarten wie Buche, Bergahorn, Lärche, Tanne und Douglasie bestehen, wobei grundsätzlich mindestens zwei Drittel der Bestände aus Laubbäumen gebildet werden. Die ehemals weit verbreitete Fichte bleibt auch weiterhin als Struktur- und Wirtschaftsbaumart zu geringeren Anteilen erhalten.
Der tatsächliche finanzielle Aufwand für das Programm hängt wesentlich von der weiteren Dynamik der Waldentwicklung und insbesondere davon ab, wie stark sich die natürliche Waldverjüngung auf den Schadflächen etabliert und in welchem Umfang anschließende Pflegemaßnahmen notwendig werden. Die Landesregierung würdigt ausdrücklich den hohen Einsatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Niedersächsischen Landesforsten sowie der unterstützenden Unternehmen und Dienstleister, die sich seit Beginn der großflächigen Waldschäden im Jahr 2018 für die Schadensbewältigung und den Aufbau einer neuen klimaangepassten Waldgeneration im Harz engagieren.
Hintergrund:
Die Niedersächsischen Landesforsten bewirtschaften rund 335.000 Hektar Landeswald und nehmen im Auftrag des Landes Aufgaben insbesondere im Naturschutz und der Umweltbildung wahr. Das öffentliche Unternehmen beschäftigt landesweit etwa 1.350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im Harz sind seit 2018 infolge von Stürmen, Trockenheit und Borkenkäferbefall rund 30.000 Hektar Waldfläche von schweren Schäden betroffen.
Quelle: Pressemitteilung des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz vom 21.10.2026