Bund fördert mit Wesermarsch, Cuxhaven und Gnarrenburg mindestens drei Leuchtturmregionen / Minister Meyer: „Großartige Nachrichten für Klimaschutz und Moorentwicklung“
Erfreuliche Botschaften aus Berlin: Der Bund hat jetzt drei Leuchtturmregionen aus Niedersachsen für die klimaschonende Moorentwicklung ausgewählt. Die Projekte in den Landkreisen Cuxhaven und Wesermarsch sowie in der Gemeinde Gnarrenburg im Landkreis Rotenburg (Wümme) können nun mit Fördermitteln von insgesamt rund 466 Millionen Euro rechnen. Das Land Niedersachsen hat den Bewerberregionen zur Moorklimaoffensive jeweils weitere 10 Millionen Euro Landesmitteln zugesagt. Gefördert werden nicht nur die Wiedervernässung von Moorflächen, sondern auch neue Bewirtschaftungsformen auf den nassen Standorten und die Aufbereitung der dort erzeugten Produkte. „Das sind großartige Nachrichten für das Moorland Nr. 1, den Klimaschutz, die Moorentwicklung und die gemeinsame Arbeit mit Umweltschutz und Landwirtschaft zur moorschonenden Bewirtschaftung. In den Leuchtturmregionen wollen wir großflächig Moorböden durch gezielte Maßnahmen wiedervernässen und die Bewirtschaftung darauf anpassen. Gleichzeitig sollen der
Tausch von Flächen, die klimaschonende Bewirtschaftung sowie Paludi-Kulturen unterstützt werden. Dafür sollen neue Wertschöpfungspfade für die Landwirte und die regionale Verwertung etabliert werden“, freut sich Umweltminister Christian Meyer über jetzt in Aussicht gestellte Förderung des Bundes von mehr als einer halben Milliarde Euro nach Niedersachsen aus dem Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK).
„Moore sind Superhelden des Naturschutzes: Sie speichern nicht nur CO2 in großen Mengen, sondern kühlen auch die Umgebung und tragen als hervorragender Wasserspeicher zur Stabilisierung des Wasserhaushalts bei, wovon auch Landwirte angesichts der vermehrten Trockenperioden großflächig profitieren. Zudem bieten Moore vielen Tier- und Pflanzenarten einen wichtigen Lebensraum“, so Meyer.
Nach einem vom Umwelt- und Landwirtschaftsministerium unterstützten Interessenbekundungsverfahren hat Bundesumweltminister Carsten Schneider nun persönlich Umweltminister Meyer über die Auswahl von mindestens drei großen Leuchtturmregionen in Niedersachsen informiert:
In Niedersachsen sind es die Regionen:
- Ipweger Moor im Landkreis Wesermarsch („Transformationsprozess Ipweger Moor -
Kooperations- und Verbundvorhaben – TIMo“), beantragte Fördersumme 160 Mio. Euro - Ahlenmoor und Bovenmoor im Landkreis Cuxhaven („MoorLandWirtschaft Cuxland –
MoorLaWi“), beantragte Fördersumme 158 Mio. Euro - Gnarrenburger Moor in der Gemeinde Gnarrenburg / Landkreis Rotenburg (Wümme)
(„Leuchtturmregion Gnarrenburger Moor – LeutureGMo“); beantragte Fördersumme 148
Mio. Euro
Auch ein Projekt im Raum Osnabrück/Vechta (Großes Moor/Campemoor) ist noch im Rennen; hier gibt es nach Aussage des Bundes aber noch Nachfragen, die zügig abgearbeitet werden. Minister Meyer hat zugesagt, dass Niedersachsen bei erfolgreicher Bewerbung jeweils weitere 10 Millionen Euro pro Region aus dem Klimaschutztopf des Landes beisteuert. Niedersachsen ist das moorreichste Bundesland Deutschlands. Gut 6.000 Quadratkilometer Moore und weitere kohlenstoffreiche Böden gibt es zwischen Nordseeküste und Harz. Diese Böden enthalten Kohlenstoff, der sich dort über Jahrtausende unter Wasserüberschuss abgelagert und erhalten hat. Heutzutage sind viele dieser Standorte entwässert, und der Kohlenstoff wird an der Luft nach und nach zu klimarelevantem Kohlenstoffdioxid (CO₂) umgewandelt. Entsprechend hoch sind hierzulande die Treibhausgasemissionen aus diesen Böden. Nach jüngsten Berechnungen des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) betragen sie 15,8 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente pro Jahr.
Durch industriellen Torfabbau entstehen weitere 2,2 bis 2,3 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente pro Jahr. Im Niedersächsischen Klimagesetz (NKlimaG) wurde 2024 festgelegt, dass keine neuen Anträge auf Torfabbau mehr genehmigt werden. Niedersachsen hat sich mit dem Klimagesetz eine Reduktion um jährlich 1,65 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente durch den Moorbodenschutz zum Ziel gesetzt.
Der Bund hatte im Rahmen des „Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK)“ im April die Richtlinie „Maßnahmen zur dauerhaften und weitgehenden Wiedervernässung land- und forstwirtschaftlich genutzter Moorböden und zur Unterstützung der land- und forstwirtschaftlichen Nutzung wiedervernässter Moorbodenflächen“ („Förderrichtlinie Palu“) in Kraft gesetzt. Die ausgewählten Leuchtturmregionen sollen sukzessive zu klimaschonenden Moorregionen sowie zukunftsfähigen Wirtschaftsstandorten entwickelt werden. Mit einer Laufzeit von bis zu 13 Jahren soll hier eine großflächige und modellhafte Transformation angeschoben werden, mit Signalwirkung auch auf andere Regionen.
Dazu gehört die gezielte Förderung der moorschonenden Bewirtschaftung von wiedervernässten Flächen – durch verschiedene Paludi-Kulturen, aber auch durch extensive Beweidung oder Freiflächen-Photovoltaik. Zudem wird die Verwertung und Vermarktung von Biomasse aus der „nassen“ Nutzung von Moorflächen unterstützt, etwa durch Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten. Als Verwertung von Schilf, Rohrkolben oder Torfmoosen bieten sich zum Beispiel die Herstellung von Torfersatzstoffen, Pappe und Papier oder auch Bau- oder Dämmstoffen an. Auch können Moorregionen zur Förderung des Tourismus genutzt werden. „Niedersachsen ist Moorland Nr. 1 und hat daher eine besondere Verantwortung für den Moorschutz“, so Meyer. „Wir zeigen mit den Leuchtturmregionen, dass wir Klimaschutz gemeinsam mit Landwirtschaft und Verbänden vorantreiben und unsere natürlichen Lebensgrundlagen dadurch schützen können.“
Zusätzlich wird das Land Niedersachsen die Regionen durch begleitende Maßnahmen unterstützen. Die einzelnen Projekte werden durch das niedersächsische Umweltministerium, das Landwirtschaftsministerium sowie das „Regionalbüro ANK“ des NLWKN eng begleitet und beraten. Nach erfolgreichem Abschluss des weiteren Verfahrens sollen voraussichtlich noch in diesem Jahr die Vereinbarungen mit dem Bund geschlossen werden. Dann könnte die Arbeit in den Leuchtturmregionen zur Moorentwicklung Anfang 2027 starten.
Quelle: Pressemitteilung des Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz vom 09.09.2026