Allgemeine Informationen

Die Verwendung von Holz bringt bei Neubauten und Sanierungsmaßnahmen nicht nur Nutzen für den Klimaschutz, sondern hat auch andere wesentliche Vorteile:

  • Die Möglichkeit der Vorfertigung und des relativ einfachen Transportes ganzer Wände oder gar Raumelemente kann die Bauzeit reduzieren und damit Kosten sparen. Das gilt auch für Sanierungsmaßnahmen, wie Vorsatzschalen für schlecht gedämmte Betonbauten aus den siebziger Jahren oder komplette Dachgauben bei Ausbaumaßnahmen.
  • Gerade bei Wohnraumerweiterungen und Aufstockungen im Dachbereich ist Holz wegen seines geringen Gewichtes der Baustoff der Wahl.
  • Holzkonstruktionen lassen sich im Falle veränderter Raumbedürfnisse relativ leicht umbauen und erweitern.
  • Da Holz nicht nur eine im Verhältnis zu Masse hohe Tragfähigkeit sondern auch eine geringe Wärmeleitfähigkeit hat, sind gut isolierte Holzbauwände dünner und damit platzsparender als vergleichbare mineralische Wände.
  • Hölzerne Oberflächen in Innenräumen haben eine besonders positive raumklimatische Wirkung: Schwankungen der Luftfeuchte werden ausgeglichen und die relativ warmen Holzoberflächen bewirken, dass man sich auch bei geringeren Lufttemperaturen noch wohl fühlt. In Schul- und Schlafräumen wurde auch eine beruhigende und blutdrucksenkende Wirkung solcher Oberflächen nachgewiesen.
  • Auch die (nachträgliche) Wärmedämmung kann mit holzbasierten Materialien erfolgen. Sie ist sicherlich meist teurer als die konventionellen Wärmedämmverbundsysteme. Insbesondere einblasbare Zellulosedämmstoffe können aber bei Umbauten, Abrissen oder auch nach Durchnässung (und anschließender Trocknung!) aus- und wiedereingebaut werden und erzeugen keinen gefährlichen Abfall oder giftige Gase im Brandfall. Beim Einsatz in Dachstühlen mindern die etwas schwereren holzbasierten Dämmstoffe die sommerliche Überhitzung der Räume unterm Dach.

Statisch sowie von der Schalldämmung und vom Brandschutz her ideale Konstruktionen können auch durch die geschickte Kombination von Holz mit Stahl oder Beton entstehen, z.B. Holz-Beton-Decken. Viele Holz(fertig)häuser haben auch eine mineralische Hülle aus Klinker oder Putz. Holzverschalungen sind zwar kostengünstiger, bedürfen aber einer gewissen Pflege wenn man die vergrauende Holzoptik nicht mag.

Ausführliche Informationen zum Bauen mit Holz und anderen Naturstoffen bietet die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe mit ihren Broschüren die man gedruckt anfordern oder kostenlos herunterladen kann. Besonders interessant umfassend ist die Broschüre „Altbausanierung mit nachwachsenden Rohstoffen“. Kürzere und nicht nur auf nachwachsende Rohstoffe bezogene Informationen vermittelt die Verbraucherzentrale.

Eher für Fachleute sind die Broschüren des Informationsdienstes Holz.

Anschauungsobjekte und Firmen


Beispiele von Holzbauten aller Art in Niedersachsen, darunter auch einige im LK Harburg (z.B. das Gemeindezentrum FEG in Hanstedt), werden in unserer Objektdatenbank Holzbau vorgestellt. Dabei sind auch jeweils die Planer und die ausführenden Holzbauunternehmen aufgeführt.

Umfassende Informationen zu Fertighäusern allgemein und den deutschen Musterhausparks gibt es unter in der „Fertighauswelt“. Der einzige Musterhauspark in Norddeutschland liegt in Langenhagen bei Hannover.

Bei der Suche nach Holzbaubetrieben für Neubau oder Sanierung im LK Harburg kann man die Website der Handwerkskammer nutzen. Ein Blick auf die Websites der Firmen (soweit vorhanden) kann einen ersten Eindruck von deren Angeboten vermitteln. Ansonsten kann man telefonisch nach Referenzen fragen. Eine „anregende“ Seite zur Aufstockung bietet die Firma Bardowicks. Nicht im Verzeichnis der Innung aufgeführt ist das „Meisterkollektiv“, das als Subunternehmer an dem interessanten landwirtschaftlichen Holzbaukomplex in Seevetal OT Emmelndorf mit gebaut hat.

Sehr gelungene Beispiele für die Sanierung alter Bauten mit Holz (u.a. „Alte Scheune wird Mehrfamilienhaus“) werden auf der Website von Brauer Architekten in Jesteburg vorgestellt.

Mehrgeschossige moderne Holzbauten findet man im Süden von Hamburg: ein von der Firma Kohbau geplantes und 2016 errichtetes sechsgeschossiges Wohnhaus mit einem Supermarkt daneben in Kirchwerder und vor allem die Zuge der Internationalen Bauausstellung 2006 bis 2013 errichteten Bauten in Wilhelmsburg, darunter der WOODCUBE und das Wälderhaus. In letzterem kann man aus in einem Hotel das Wohngefühl mit Holzwänden erleben. Ganz neu ist schräg gegenüber auch das Studentenwohnheim WOODIE, das im Jahre 2017 aus 371 komplett vorgefertigten Zimmermodulen zusammengebaut wurde. Und schließlich wird ganz in der Nähe, Im Quartier Elbbrücken in der östlichen Hafencity, aktuell das höchste Holzgebäude Deutschlands, die „Wildspitze“ geplant. Weitere Informationen findet man in einer neuen Broschüre „Holzbau in der Metropolregion Hamburg“.

Hinweise für Hausbesitzer

„93 % würden es wieder tun! Die übergroße Mehrheit der Besitzer von Ein- und Zweifamilienhäu-sern, die in den letzten zehn Jahren energetisch saniert haben, bereuen diese Entscheidung nicht. Das belegt eine Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa 2015 im Auftrag der Deutschen Bundesstiftung Umwelt durchführte.“ (DBU, 2016). Auf der DBU-Kampagnen-Website kann man Partnerunternehmen finden, die einen kostenlosen Energie-Check für Privathäuser durchführen! In der DBU-Fachinfo Nr. 3 von Juli 2016 findet einige wertvolle Hinweise zur Sanierung, die auf folgende Kernaussagen hin auslaufen (DBU, 2016):

Ein erfolgreicher Klimaschutz erfordert sowohl die Nutzung regenerativer Energien als auch die Steigerung der Energieeffizienz bei Ein- und Zweifamilienhäusern. Daher empfiehlt die DBU:

  • Jede Sanierung so anzugehen, dass sie einen möglichst umfassenden Beitrag zum klimaneutralen Gebäudebestand leistet.
  • Für eine optimale Sanierung ist ein individuell abgestimmtes und möglichst umfassendes Sanierungskonzept für das jeweilige Haus sinnvoll.
  • Bei der Auswahl von Materialien und Heizungstechnologien sollte die Leitlinie sein: erneuerbar vor fossil!
  • Auch wenn momentan Pellets eine Möglichkeit sind, mit erneuerbaren Energien zu heizen, werden mittel- und langfristig erneuerbar erzeugter Strom sowie Solarwärme die Haupt-lieferanten regenerativer Heizenergie werden.
  • Bei umfangreichen Sanierungs- und Umbaumaßnahmen sollte Holz als Ersatz für energie-intensive Baustoffe umfangreicher als bisher zum Einsatz kommen.
  • Bei der Materialauswahl im Rahmen einer Sanierung sollten Fragen der Rückbau- und Recyclingfähigkeit von Baustoffen und Konstruktionen sowie der Bewertungen im gesamten Lebenszyklus zukünftig stärker gewichtet werden.

Für die energetische Sanierung von Gebäuden bieten auch der Landkreis Harburg und die Städte Buchholz und Winsen und die Gemeinden Stelle und Rosengarten Beratungsleistungen an. Noch etwas weitergehende Hilfe kann man in der Region auch von der KLIMAWERK ENERGIEAGENTUR GmbH & Co. KG bekommen. Der Leitfaden Modernisierung leicht gemacht der Hansestadt Hamburg bietetaktuelle Checklisten und Tipps. Auch der Bundesverband Feuchte & Altbausanierung sowie der BAKA Bundesverband Altbauerneuerung e.V. vermitteln Informationen und Kontakte zu Experten für die Sanierung.

Ein besonders auch im LK Harburg wichtiges Thema ist die nicht ganz einfache Erhaltung und Sanierung von Fachwerkhäusern. Weitere praktische Beratung und Hilfe bietet auch die IG Bauernhaus e.V.

Hinweise für Handwerksbetriebe

Wenn es um größere Objekte wie Industriebauten und Mehrfamilienhäuser, sowie neue Werkstoffe wie Brettsperrholz geht, so fehlt es kleineren Zimmereibetrieben oft an der Erfahrung, dem Personal und der technischen Ausstattung solche Aufträge zu bearbeiten. Wenn sie diesen wachsenden Markt bedienen wollen, ist es notwendig, sich entsprechend fortzubilden und mit anderen Betrieben der Branche zu kooperieren.

Fortbildungsangebote gibt es vor allem in Hamburg, wo das Zentrum für Energie, Bauen, Architektur und Umwelt GmbH (ZEBAU) zum Beispiel das „Hamburger Holzbauforum“, eine Veranstaltungsreihe zum energieeffizienten Bauen und Modernisieren und Experten-Workshops durchführt.

Ein regelmäßiger fachlicher Austausch mit Kollegen – auch mit den Zulieferern – fördert die Innovationsfähigkeit und die überbetriebliche Nutzung teurer Abbund- und CNC-Anlagen die Voraussetzungen schafft die Voraussetzung für die (gemeinsame) Abwicklung besonders großer Aufträge. Es gibt auch die Möglichkeit, sich einer der folgenden bundesweiten Vereinigungen anzuschließen:

  • ZimmerMeisterHaus Service&Dienstleistungs GmbH: Gegründet wurde die Vereinigung 1987 von 17 Unternehmen (heute ca. 90 Mitglieder), die bereits damals überzeugt von den Zukunftschancen des handwerklichen Holzhausbaus waren. Sie setzten sich zum Ziel, die Holzrahmenbauweise für Wohn- und Gewerbebauten sowie andere Zwecke technisch weiterzuentwickeln und zu vermarkten.
  • 81fünf high-tech & holzbau AG: Das „Kompetenznetzwerk“ umfasst rund 70 Holzbauunternehmen, Zimmereien, Architekten und Haustechniker und entstand Ende der neunziger Jahre als Marke mit einem Qualitätsversprechen: mit Blower Door Messung, bei Bedarf Thermografie, Güteüberwachung der Betriebe durch unabhängige Institutionen, Lüftungskonzepte, Wartungsverträge und Dienstleistungsangebot.
  • Gütegemeinschaft Holzbau - Ausbau - Dachbau e.V. (GHAD): Das ist ein bundesweiter Zusammenschluss von Zimmerei- und Holzbauunternehmen, die die Qualität und Güte ihrer Produkte und Leistungen im Holzbau durch eine spezielle Gütesicherung definieren und darstellen. Sie ist eine vom RAL-Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung e.V. in Sankt Augustin anerkannte Gütegemeinschaft.

Weil ein Unternehmen es allein nicht schafft, Angebote für richtig umfangreiche und komplexe Aufträge zu erstellen und die Aufträge entsprechend abzuwickeln, hat sich sogar das relativ große und innovative Holzbauunternehmen wie Holzbau Cordes in Rotenburg/W. im Jahr 2013 mit drei anderen mittelständischen Holzbau-Unternehmen, die in ihren jeweiligen Regionen sehr erfolgreich sind, zu einem Firmenverbund zusammengeschlossen. Dieser firmiert unter dem Namen HOLZUNION. „Von der Projektierung, der individuellen Planung über die statische Berechnung bis hin zu Produktion, Transportlogistik und Montage – die HOLZUNION ist der interdisziplinäre Partner für das professionelle Bauen mit Holz“.

Hinweise für Behörden


Behörden haben auf Ebene der Kommunen und des Landkreises sowohl als Bauherr als auch als Genehmigungsbehörde die Möglichkeit, das Bauen mit Holz im Sinne des Klimaschutzes zu fördern. Dabei erscheint der Neuanlage von Siedlungen, insbesondere für Einfamilienhäuser, vor dem Hintergrund einer schrumpfenden Bevölkerung in Deutschland nicht mehr sinnvoll. Der LK Harburg verzeichnete von 2008 bis 2016 allerdings noch einen Bevölkerungszuwachs von knapp 2 % (Landkreis Harburg, 2016). Trotzdem sollten auch dort primär die Möglichkeiten einer Verdichtung durch Aufstockung, Erweiterung, Anbau und ggfs. die Schließung von Baulücken oder die Umnutzung von Flächen im Siedlungsbereich genutzt werden. Im Rahmen des Bodenschutzprogrammes der Bundesregierung sollen ab 2050 ohnehin keine Flächen mehr zusätzlich bebaut werden. Neue Siedlungen in der freien Landschaft, besonders von Einfamilienhäusern, schaffen zusätzlichen Verkehr und damit zusätzliche CO2-Emissionen.

Zur Entlastung des Wohnungsmarktes im Bereich der Einfamilienhäuser sollten außerdem Projekte gefördert werden, die es allein in größeren Häusern lebenden (älteren) Menschen erleichtern, entweder Wohnraum an andere Menschen zu vermieten oder in eine Gemeinschaftswohnanlage umzuziehen. So wurde z.B. in Celle in einem sanierten Altbau an der Hattendorfstraße eine Wohngemeinschaft von relativ gut situierten und engagierten zehn älteren Damen bezogen, die nicht mehr allein in ihren Einfamilienhäusern leben wollten (Neuland, 2016). Weitere Beispiele in der Umgebung sind das Projekt „Hofleben“ in Dahlenburg und die „Hofgemeinschaft Alter Kirchweg“ in Altenebstorf. Durch solche Angebote kann älteren Menschenaus der nicht immer gewollten Situation des Alleinlebens herausgeholfen und dadurch gleichzeitig Wohnraum für Familien frei gemacht werden. Im Programm „Wohnen und Pflege im Alter“ fördert das Land Niedersachsen bis 2020 die Schaffung innovativer Angebote im Prinzip in jedem Landkreis mindestens einmal. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Im ländlichen Raum können Wohnprojekte für Senioren auch nach der "Richtlinie über die Gewährung von Zuwendung zur integrierten ländlichen Entwicklung - ZILE" gefördert werden.

Behörden als Bauherren (und Beschaffer)

Bisher hat nur die Stadt Buchholz in ihrem Klimaschutzkonzept explizit vorgesehen, „Holz als Baustoff im öffentlichen Bau einzusetzen“. In der Broschüre „Holzbau für kommunale Aufgaben“ sind etliche Basisinformationen und praktische Beispiele dafür aufgeführt. Der Landkreis hätte die Möglichkeit, über seine Beteiligung an der die „Kommunalen Wohnungsbaugesellschaft für den Landkreis Harburg mbH“ als Bauherr von geplanten 1000 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern einen richtigen „Holzbauboom“ auszulösen.

Sicherlich gibt es auch nicht nur einige Neubauvorhaben sondern auch einen großen Bedarf an Sanierungsmaßnahmen an Verwaltungsgebäuden, Schulen usw. Es gibt sehr interessante Vorbilder wie die Sanierung eines Gymnasiums im laufenden Betrieb in Sonthofen mit hölzernen Vorsatzfassadenelementen, durch die ca. 450 t CO2-Emissionen jährlich eingespart werden konnten. (siehe Info, S. 48 - 60) Es wurden Vergabekriterien in die Ausschreibung mit aufgenommen, „die es ermöglichen, die aufgewandte Energie vom Holzeinschlag bis zum Einbau zu bewerten. Es soll regional geschlagenem Holz Vorrang eingeräumt werden.“

Nicht nur im Hochbau, sondern auch beim Bau von Brücken, Lärmschutzwänden, Bänken, Laternenpfählen usw. kann Holz vermehrt insbesondere als Substitut von Stahl im Sinne des Klimaschutzes eingesetzt werden. Durch die konsequente Nutzung der Möglichkeiten des baulichen Holzschutzes und neuer Möglichkeiten der Holzmodifizierung kann dabei auf Holzschutzmittel und dauerhafte Tropenhölzer verzichtet werden. (Beispiel)

„Im Rahmen einer nachhaltigen Planung müssen Ausschreibungsunterlagen im Sinne einer umweltbewussten Beschaffungspolitik gestaltet und darin konkrete Nachhaltigkeitsanforderungen aufgenommen werden (...). Diese können umfassen:

  • Dauerhaftigkeit
  • Reinigungs- und Instandhaltungsfreundlichkeit
  • Anforderungen an Gesundheits- und Umweltverträglichkeit
  • Umweltstandards
  • Tropenholzeinsatz aus zertifiziertem Anbau
  • Einsatz von Recyclingmaterialien

Diese Anforderungen sind in den Ausschreibungsunterlagen, Leistungsverzeichnissen beziehungsweise bei den technischen Spezifikationen produktneutral zu beschreiben.“ (Quelle)

Wenn Holz zum Einsatz kommen soll, wäre es entsprechend möglich, z.B. einen maximalen Energieaufwand bzw. CO2-Ausstoß für die Herstellung einer Wand usw. zu definieren, der von anderen Baustoffen immer überschritten wird.

Förderung der baulichen Holzverwendung über rechtliche Regelungen

Die Städte München und neuerdings auch Hamburg geben Zuschüsse für die Verwendung von Holz im Wohnungsbau (Beispiel Hamburg: „Der Einsatz von Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Beständen in der Gebäude-Konstruktion wird nun in einem zunächst auf zwei Jahre befristeten Pilotprojekt mit 30 Cent je Kilogramm Holzprodukt gefördert.

Auch über Bebauungspläne kann die Verwendung von Holz gefördert werden. Im Kommunalwettbewerb HolzProKlima in Baden-Württemberg 2016/2017 war das „Vorhandensein von Bebauungsplänen mit Holzförderung“ ein Beurteilungskriterium, ebenso wie „Klimaschutzplan mit Maßnahmen zur Holzförderung“, „Klimaschutzbeauftragte/r oder Umweltbeauftragte/r, welche die Bedeutung der Holzverwendung für den Klimaschutz kommunizieren“.

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