Ackerbohnen werden in vielen Gebieten Deutschlands verstärkt angebaut.
Ackerbohnen werden in vielen Gebieten Deutschlands verstärkt angebaut.
 Seit 2010 hat sich die Anbaufläche für Ackerbohnen in Deutschland auf aktuell rund 66.000 ha mehr als vervierfacht (Quelle: DESTATIS).  Als zweitwichtigste Leguminose findet sie zunehmend Berücksichtigung in humusförderlichen Fruchtfolgen: „Flächen, auf denen nach der Ackerbohne eine Wintergerste angebaut worden ist, erzielen eine höhere Erntemenge an Gerste: Das Plus für diese Kultur liegt bei cirka einer Tonne.“ (Quelle: Meyer 2020) Damit kann der Ackerbohnenanbau betriebswirtschaftlich sinnvoll werden: „Ackerbohne (und Erbse) rechnen sich aufgrund der Vorfruchtwirkung und den geringeren Produktionskosten als Alternative zu Stoppelweizen und Raps.“ (Quelle) Allerdings ist die heutige Marktsituation auch das Ergebnis einer sehr erfolgreichen Initiative zur Vermarktung der Bohnen. Diese entstand im Elbe-Weser-Dreieck, wo die Anbaubedingungen dank der höheren Niederschläge im Frühsommer relativ günstig sind.

Landwirt Henning Janssen aus Balje (LK Stade) baut die Ackerbohne bereits seit 2011 an, ursprünglich um seine Fruchtfolge aufzulockern und den Ackerfuchsschwanz zu bekämpfen. Die klassische Verwertung der Bohnen als Futter und für den Export war aber nicht besonders lukrativ. Für den einträglicheren Verkauf der Ackerbohne auf Lebensmittelstandard als regionalen Ersatz für Soja und Linsen gab es jedoch damals keine Vermarktungsstrukturen. Also ergriff er die Initiative und gründete zusammen mit Gleichgesinnten und der Genossenschaft Raisa eG in Stade im Jahre 2016 die Fava-Trading. Mit Hilfe von EU-Fördermitteln konnten die Gründer dann in Cadenberg eine Anlage bauen, in der die Bohnen gereinigt, sortiert, teilweise geschält und kundenspezifisch verpackt werden. Eine eigene Qualitätssicherung gehört zum Betrieb.

Anlage zur Aufbereitung von Ackerbohnen in Cadenberge
Anlage zur Aufbereitung von Ackerbohnen in Cadenberge

In einer Pressemitteilung vom 28. Oktober 2019 hieß es dann: „Fava-Trading boomt und sucht dringend Ware. „Wir sind nach zwei Jahren schon bei der dreifachen ursprünglich geplanten Bohnenmenge“, sagte Geschäftsführer Jan Schulze-Geißler.“

In der Roland Mühle in Bremen werden u.a. Ackerbohnen weiterverarbeitet und können von dort direkt ins Ausland verschifft werden.
In der Roland Mühle in Bremen werden u.a. Ackerbohnen weiterverarbeitet und können von dort direkt ins Ausland verschifft werden.
Im Sommer 2019 war zur „Vermarktung von verarbeiteten Hülsenfrüchten für EU und Export“ von den Unternehmen Raisa und Roland Mills United das partnerschaftliche Joint Venture Roland Beans gegründet worden. So werden entlang der Wertschöpfungskette in idealtypischer Weise die komplementären Kompetenzen in Anbau, Rohstoffversorgung, Verarbeitung und Anwendungstechnologie der Ackerbohne kombiniert. Der Partner Roland Mills United hat „als jüngste Innovation hat das Unternehmen in eine Anlage zur Vermahlung und Proteinanreicherung von Ackerbohnen und anderen Leguminosen investiert. Dies ist eine Antwort auf die sich wandelnden Bedürfnisses des Verbrauchers in einer Welt, in der die Bedeutung einer nachhaltigen, die Ressourcen schützenden Ernährung zunimmt. Durch streng getrennte Produktions- und Förderwege wird die Allergenfreiheit der Produkte sichergestellt.“ Auf ihrer Website stellt die Firma die Verarbeitungsmöglichkeiten und Vorteile der Ackerbohnen ausführlich dar.

Quellen und weitere praktische Hinweise zum Ackerbohnenanbau:

  • Bundesinformationszentrum Landwirtschaft 2021.  Erbsen und Ackerbohnen anbauen und verwerten. 104 S. (PDF-Download
  • JKI 2011. Informationsblatt "Die Ackerbohne". 2 S. (PDF-Download)
  • Meyer, C 2020. Ackerbohnen erfolgreich vermarkten. Land&Forst 12/2020 S. 6-7
  • Schmidt, H u. Langansky l (Hrsg.) 2021. Ackerbohnen-Anbau in der Praxis Ackerbau & Ökonomie - ökologisch & konventionell. Stiftung Ökologie & Landbau, 143 S. (PDF-Download)

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