Eine vielfältige Blühfläche hat eine ähnliche Wirkung wie eine artenreiche Zwischenfrucht: Sie fördert die Entwicklung des Bodenlebens und damit den Humusaufbau, besonders wenn es sich um eine mehrjährige Kultur handelt. Außerdem erfreut sie die Menschen mit ihrer Blütenpracht und des damit verbundenen Reichtums an Insekten.
In Niedersachsen werden seit 2023 zusätzlich erbrachte Leistungen der Landwirtschaft für Klima und Umwelt gesondert durch die so genannten Öko-Regelungen (ÖR) gefördert. Die Teilnahme ist freiwillig, die Maßnahme auf ein Jahr begrenzt. Zusätzlich zu der Stilllegungsprämie in Höhe von 1.300 € je ha gibt es aktuell eine Förderung von 200 €/ha für die ÖR 1b – Anlage von Blühflächen und –streifen auf nichtproduktivem Ackerland nach ÖR 1a (www.lwk-niedersachsen.de)
Wem diese Beträge nicht genügen oder wer sich durch die damit verbundenen Vorgaben eingeengt fühlt, kann alternativ (Doppelförderung ist unzulässig!) auch versuchen, sich die Blühflächen von Dritten finanzieren zu lassen. Dafür gab und gibt es viele Beispiel in der Praxis:
- Seit 2019 engagieren sich die Landwirte Friedrich Helmke, Jan Kaiser und Henning Pfeiffer aus den Regionen Uelzen und Wendland für die Bienen. Auf der Website www.lass-es-bluehen.de bieten sie „Blüh-Patenschaften“ an für 50 Euro je 1 Ar (100 qm) (= 0,50 €/qm) Blühfläche und Jahr.
- Ebenfalls im Jahr 2019 startete das Landvolk Göttingen die Initiative „Wir machen Göttingen bunter“ (www.landvolk-goe.de). Das Angebot: „Für 25 Cent je qm (0,25 €/qm) legen wir eine einjährige Blühfläche auf Ackerflächen im Landkreis Göttingen an. Selbstverständlich zusätzlich zu Vertragsnaturschutz und Agrarumweltmaßnahmen.“ Das Projekt ruht aktuell wegen geschwundenen Interesses und wegen Elternzeit der zuständigen Mitarbeiterin. Die Sponsorenliste weist hauptsächlich Geldinstitute und Gebietskörperschaften auf.
- Die Gemeinde Damnatz an der Elbe startete Anfang 2020 zusammen mit ortsansässigen Landwirten, die die Flächen bereitstellten, ein Projekt zur Anlage von fünfjährigen Blühflächen. Dazu wurden 100 Blühpaten gesucht (und schnell sogar noch mehr gefunden!), die jeweils 100 € für 100 qm (= 1,00 €/qm) (für insgesamt 5 Jahre!) bereitstellen sollten. Auf der gemeindeeigenen Website (www.damnatz-elbtalaue.de) wird das Projekt ausgiebig beschrieben und es gibt Führungen und andere gemeinschaftliche Aktivitäten zu den ökologischen Maßnahmen.
- Im Landkreis Göttingen möchte die Bioland-Gärtnerei "Rote Rübe - Schwarzer Rettich" auf über 6.000m² zusammenhängender Fläche ein langfristig angelegtes Biotop schaffen - ihr „eigenes kleines Paradies für Biodiversität“. Zur finanziellen Unterstützung dieses Vorhabens werden Blühpatenschaften zu je 25 € je 10 qm (=2,50 €/qm) über die Website des Bio-Lieferservice lotta-carotta (www.lotta-karotta.de) angeboten.
Banken sind nicht nur oftmals Sponsoren für biodiversitätsfördernde Maßnahmen wie Blühstreifen, sondern manchmal auch Initiatoren: So berichtet die GLS-Bank in ihrem Nachhaltigkeitsbericht 2024 auf S. 58 „Außerdem fand in 2024 eine Blühstreifen-Aktion statt. Die Spendenaktion zur Bewerbung von Anteilszeichnung konnte dafür sorgen, dass über 300.000 Quadratmeter Blühstreifen bei den Kund*innen der GLS Bank ausgesät werden (das Saatgut wurde in 2024 erworben und im Januar 2025 an die Kund*innen verschickt). Blühstreifen wirken sich positiv auf Biodiversität aus.“
Erkenntnis aus diesen Beispielen: Einnahmen von 2.500 – 25.000 € je ha können einen guten Deckungsbeitrag bewirken. Doch zu den Kosten für die Anlage und Pflege der Blühflächen kann noch ein erheblicher Zeitaufwand für die Gewinnung und Bindung der Sponsoren kommen. Die entsprechende Nutzung geeigneter sozialer Medien und/oder die Pflege persönlicher Kontakte muss längerfristig gewährleistet sein, sonst können solche Projekte auch schnell wieder zu Ende gehen.
Ein Beispiel dafür, wie intensiv man die Kommunikation mit der Bevölkerung bzw. einzelnen Sponsoren betreiben und damit sogar ein eigenes Geschäftsfeld aufbauen kann, ist der Betrieb von Christian Bruns in der Nähe von Hannover mit seinen „Ackerpaten“. (www.ackerpaten.com) Auch er hat eine Blühwiese im Bestand und berichtete beim der KlimaFarming-Abschlusstagung auf der AGRITECHNICA am 12.11.2025 über seine Einnahmen und Ausgaben bei der Anlage einer Strueobstwiese:
Zum Schluss noch ein „motivierendes“ Video in Nordrhein-Westfalen, wo der Landwirt Jochen Kanders seinen Betrieb in Uedem komplett umstrukturiert hat und heute aus Blüh-, bzw. Bienenpatenschaften (0,5 €/m²) auf 10 ha 16.000 € Umsatz, bzw. 4 % seines Betriebseinkommens generiert: