Dauerkulturen fördern grundsätzlich den Humusaufbau und den Erosionsschutz. Die Durchwachsene Silphie wird als ökologisch in vieler Hinsicht vorteilhafte Alternative zu Mais als Biogassubstrat angesehen, vor allem wegen des Nutzens für Bienen und andere Insekten (Blüten von Juni bis Sept. Blüten, nektar- und pollenreich). Hinzu kommt die besonders gute Bodenschutzwirkung durch das dauerhafte und sehr intensive Wurzelwerk, das den Bodenabtrag um ca. 90% reduzierenkann, aber nicht zu einer höheren Widerstandsfähigkeit gegenüber Dürren führt. Für einen hohen Ertrag braucht auch die Silphie eine gute Wasserversorgung! (Kahnt-Ralle, E. (2021) Eine Dauerkultur unter der Lupe. LAND & FORST 45, S. 20-21)
Der Nachteil für die Biogaserzeuger ist der um bis zu 30 % geringere Gasertrag gegenüber dem Silomais (Quelle). Dieser Nachteil wird zum Teil dadurch ausgeglichen, dass die einmal (im ersten Jahr am besten zusammen mit Mais) gedrillten Silphiepflanzen 15 bis 20 Jahre lang alljährlich beerntet werden können; zwar mit Düngung, aber ohne Bodenbearbeitung und mit nur wenig Pflanzenschutz (alle vier Jahre gegen Gräser). Vor diesem Hintergrund hat sich die Silphieanbaufläche von 2020 bis 2021 auf 10.000 ha fast verdreifacht (FNR-Statistik) während beim Silomais eher ein Flächenrückgang zu beobachten ist, der durch den „Maisdeckel“ ab 2026 sicherlich noch zunehmen wird.
Zu den Kosteneinsparungen kommt die Chance eines höheren Preises für den Gärrest: Zum einen werden die Fasern (ggfs. auch direkt ohne vorherige Vergärung) in Baden-Würrtemberg an Papier- und Verpackungshersteller verkauft. In Nordwestdeutschland bieten sich besonders große Chancen in der Erdenindustrie: Schon ab 2026 dürfen Erden im Hobbygartenbereich keinen Torf mehr enthalten. (Jensen, D. (2024) Durchwachsene Silphie: Torfersatzstoff nach Vergärung. BIOGAS JOURNAL 6, S. 100-102)
Im westlichen Niedersachsen, vor allem dort, wo der Maisbau tendenziell durch Wassererosion gefährdet ist, wie z.B. im bergigen Teutoburger Wald, wäre eine verstärkte Umstellung von Silomais auf Silphie für die Biogasproduktion besonders sinnvoll wegen der Nähe zu niederländischen Abnehmern von Gärresten: Wenn diese aus der Monovergärung von Silphie stammen, ermöglichen sie die Herstellung eines besonders hochwertigen Torfersatzstoffes für den gewerblichen Gemüsebau und werden deshalb bereits aktiv nachgefragt! Im Rahmen des Projektes "Peat free substrates" arbeitet das 3N-Kompetenzzentrum zusammen mit Partnern auch NRW und den Niederlanden an der Optimierung der Verfahren.