Körnererbsen liefern Lebensmittelproteine auf rein pflanzlicher Basis, die CO₂-intensives tierisches Eiweiß ersetzen können. Außerdem dienen sie zur Herstellung verschiedener technischer Rohstoffe und der Futtemittelgewinnung. Im Jahre 2022 hat die Emsland-Group über 146.000 Tonnen Erbsen in ihren Werken verarbeitet. 70 Prozent davon stammen von Nicht-Vertragslandwirten aus dem europäischen Ausland. Die Firma hat das Ziel, den Anteil der heimischen Vertragslandwirte erheblich zu steigern: "In den vergangenen beiden Jahren haben wir unsere Erbsenanbaufläche in der Nähe unserer Werke von 40 auf 500 Hektar gesteigert. Speziell in der Grafschaft Bentheim konnten wir zahlreiche Erbsen-Erzeuger zusätzlich unter Vertrag nehmen." (Nachhaltigkeitsbericht 2022/23, S. 39)

Auch die Nordzucker AG  hatte bereits Lieferverträge mit Erbsen-Anbauern abgeschlossen, weil sie ihr Portfolio erweitern und in ein neues Werk zur Verarbeitung pflanzenbasierter Proteine in Groß Munzel in der Region Hannover investieren wollte. Doch angesichts der aktuell schwierigen Marktlage wurde das Projekt Anfang 2025 zunächst einmal gestoppt und im Mai endgültig beendet. 

Erbsenfeld bei Almhorst am 1.6.25
Erbsenfeld bei Almhorst am 1.6.25

Trotzdem kann der Anbau von Körnererbsen Landwirten die vielversprechende Möglichkeit geben, von den wachsenden Märkten für pflanzliche Proteine zu profitieren. Darüber hinaus liefert der Körnererbsenanbau ökologische Vorteile und spielt eine wesentliche Rolle in einer nachhaltigen Landwirtschaft. Insbesondere die Einsparung von Stickstoffdünger sowie die Regionalität wirken sich positiv auf die Nachhaltigkeitsbewertung aus.

Diese Handreichung soll Landwirten einen ersten Überblick über die Chancen und Herausforderungen des Körnererbsenanbaus geben und sie dazu anregen, die Möglichkeiten des Anbaus und der Vermarktung dieser vielseitigen Kultur für ihren eigenen Betrieb zu prüfen.

1. Anbau

1.1 Körnererbsenanbau in Deutschland und Niedersachsen

In Deutschland werden auf einer Fläche von ca. 120.000 ha Körnererbsen angebaut. Die Körnererbse bevorzugt leichte bis mittelschwere Böden mit wenig Steinen. Sie ist empfindlich gegenüber Bodenverdichtung und Staunässe.

In den letzten 10 Jahren wuchs die Anbaufläche der Körnererbse in Deutschland um etwa 87.700 ha. Die anbaustärksten Regionen sind Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Das höchste Ertragspotential liegt jedoch mit einem mittleren Kornertrag von 40 bis 45 dt/ha in Nordrhein-Westfalen. In Niedersachsen lag der mittlere Kornertrag zwischen 2017 und 2023 bei 35 dt/ha. Die Erträge können jedoch stark variieren.

Die Körnererbse zählt nicht zu den etablierten Marktfrüchten. In Niedersachsen liegt der Anteil Körnerleguminosen an landwirtschaftlich genutzter Fläche bei 1,0 %.

Abb. 1: Anbauentwicklung der Körnererbse in Deutschland
Abb. 1: Anbauentwicklung der Körnererbse in Deutschland© statistisches Bundesamt 2024

1.2 Körnererbsenanbau in der Praxis: Potenziale und Herausforderungen

Aus ökologischer Sicht bietet der Anbau von Körnererbsen viele Vorteile. Die Körnererbse hat eine gute Vorfruchtwirkung, insbesondere durch die tiefe Durchwurzelung und die Nachlieferung von Stickstoff. Darüber hinaus ermöglicht der Erbsenanbau einer Auflockerung der Fruchtfolge. Der Anbau von Körnererbsen nach stickstoffzehrenden Winter- und Sommergetreidearten fördert die Fixierung von Luftstickstoff und reduziert somit den Bedarf an mineralischen Düngemitteln für die Folgefrucht. Bei der Planung der Fruchtfolge müssen allerdings lange Anbaupausen von 7 bis 10 Jahren berücksichtigt werden, um Leguminosenmüdigkeit vorzubeugen. In Fruchtfolgen mit Körnererbsen sollte zusätzlich Leguminosen in Zwischenfruchtmischungen vermieden werden. Zu Futterleguminosen (Klee, Luzerne) müssen Abstände von 3-4 Jahren eingehalten werden.

Mit eine der größten Herausforderungen im Erbsenanbau liegt in der Unkrautregulierung. Kommt es zu einer Spätverkrautung im Bestand, kann der Mähdrusch stark beeinflusst oder sogar unmöglich gemacht werden. Das Risiko eines Ertragsausfalls kann durch ackerbauliche Maßnahmen und eine angepasste chemische oder mechanische Unkrautkontrolle minimiert werden. Die Körnererbse ist sehr verträglich gegenüber mechanischen Verfahren, wie zum Beispiel dem Striegel. Der Striegeleinsatz erfolgt im Fädchen- bis Keimblattstadiums der Unkräuter und bevor die Erbsen beginnen zu verranken. Untersaaten z.B. mit Weidelgras und Spitzwegerich sind ein anderer Ansatz zur Unkrautregulierung und zum Bodenschutz, der aber nich immer funktioniert (Praxisbeispiel Detmering / Burgwedel).

Abb 2. Erbsenbestand mit starker Verkrautung, 2023 Wunstorf
Abb 2. Erbsenbestand mit starker Verkrautung, 2023 Wunstorf© Markus Mücke, LWK Niedersachsen

Der Anbau von Leguminosen-Getreide Gemenge kann die Spätverunkrautung reduzieren und das Anbaurisiko verringern. Die Entscheidung über den Gemengeanbau hängt jedoch noch von der Verwertung bzw. der Vermarktung statt. Betriebe mit eigener Tierhaltung können Gemenge als Tierfutter verwerten. Sollen die Erbsen jedoch über den Handel vermarktet werden, kann es zu Einschränkungen kommen. Viele verarbeitenden Unternehmen, insbesondere in der Lebensmittelindustrie, nehmen keine Gemenge an, da sie Gemenge nicht verarbeiten können und darüber hinaus hohe Anforderungen bezgl. Allergenen haben. Separierungen sind technisch möglich, aber mit zusätzlichen Kosten verbunden.- Eine weitere Möglichkeit, die Erbsen vor Verunkrautung zu schützen, kann die Untersaat mit Spitzwegerich oder Weidelgras. Dabei kann allerdings bei Trockenheit zu Problemen mit dem Auflaufen kommen (Molsen 2025).

Das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft hat eine ausführliche Broschüre über Anbau und Verwertung von Ackerbohnen und Erbsen veröffentlich. Hier finden Sie hilfreiche Anbautipps und eine Bewertung der Wirtschaftlichkeit der Erbse.

2. Wirtschaftlichkeit

In der DAL Berechnung werden die Marktleistung, dem Futtervergleichswert oder der Betriebswert, sowie der Vorfruchtwert berücksichtigt. Der durchschnittliche Erzeugerpreis bei der Vermarktung von konventionellen Erbsen in den Jahren 2016 bis 2019 lag zwischen 20,00 €/dt und 21,00 €/dt. Bei ökologischen Körnererbsen lag dieser zwischen 47,00 und 63,00 €/dt. Je nach Region und Absatzweg können die Erzeugerpreise jedoch variieren. In den Versuchsjahren wurden zum Beispiel für Speiseware höhere Preise erzielt, als für Futterware. Eine frühzeitige Entscheidung über den Absatzweg und Absprachen mit der aufnehmenden Hand sind daher zu empfehlen. Wird die Körnererbse auf dem eigenen Betrieb verfüttert, wird die genauere Betrachtung des Futterwertes interessant. Dieser lag teilweise über den am Markt erzielbaren Erzeugerpreisen. Besonders in der Schweine-, aber auch in der Rinderfütterung kann sich die Verfütterung der eigenen Körnererbsen somit lohen.

Neben der Marktleistung, dem Futtervergleichswert oder dem Betriebswert fließt auch der der Vorfruchtwert in die Berechnung der DAL mit ein. Im Demonstrationsnetzwerks Erbse/Bohne ergab sich ein Vorfruchtwert von ca. 124 €/ha. Dieser setzt sich aus dem monetären Mehrertrag der Folgekultur, die Stickstoffeinsparung und mögliche Einsparung der Maschinenkosten zusammen (Bräutigam et al., 2021).

Der wirtschaftliche Erfolg des Körnererbsenanbaus hängt stark von dem möglichen Erzeugerpreis bzw. Futterwert vom Ertrag ab. In Jahren mit steigenden Preisen für die Hauptkulturen oder mit geringen Erbsenerträgen, kann die Körnererbse wirtschaftlich nicht mit den Hauptkulturen konkurrieren. In diesen Jahren können Zahlungen aus dem Greening oder den Agrarumweltmaßnahmen die wirtschaftlichen Verluste reduzieren. Eine wesentliche Rolle in der wirtschaftlichen Planung spielt die Entscheidung über die Vermarktungsform. Im folgenden Kapitel werden die verschiedenen Vermarktungswege genauer beschrieben.

3. Vermarktungsmöglichkeiten

3.1 Nutztierfütterung

Als heimische Proteinquelle spielt die Körnererbse eine wichtige Rolle in der Nutztierfütterung. Sie reduziert die Abhängigkeit von Soja-Importen und wird aktuell vorwiegend für die ökologische und die „Gentechnikfreie“ Nutzierfütterung verwendet. Die Körnererbsen können neben der eigenen oder zwischenbetrieblichen Verwendung an Futterhersteller vermarktet werden. Eine frühzeitige Absprache ist dabei wichtig. Ökologische Futterhersteller, wie GS Bio, haben einen großen Bedarf an Körnererbsen. Es wird jedoch, wie in der Lebensmittelindustrie, noch keine Gemengetrennung durchgeführt.

Für die Rezepturen wird die Erbse zum einen als Rohstoff verarbeitet, zum anderen werden Restströme aus der Lebensmittelproduktion verarbeitet. Dazu zählt die Erbsenfaser, das Erbsenprotein (als Naßextrudat) und die Erbsenstärke.

3.2 Lebensmittelindustrie

Eine wachsende Nachfrage nach pflanzlichen Fleischalternativen fördert auch die Nachfrage nach Erbsenproteinen in der Lebensmittelindustrie. Neben dem Protein wird auch die Stärke und die Faser verarbeitet. Die restlose Verwertbarkeit macht Körnererbsen interessant für verarbeitende Unternehmen.

Die Emsland Group verarbeitet jährlich rund 140.000 t Erbsen und zählt zu den wenigen (und größten) Verarbeitern von Erbsenstärke- und -eiweiß in Europa. Mit dem Bau eines neuen Werkes der Nordzucker Plant Based Ingredients GmbH zur Produktion von Proteinen aus Körnerleguminosen könnte ein neuer Abnehmer von Körnererbsen in der Region Hannover entstehen. Die Erbsen sollen bevorzugt aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Schleswig-Holstein und Hessen bezogen werden.

Unternehmen, die die Körnererbse für die Lebensmittelindustrie verarbeiten, haben hohe Qualitätsanforderungen. Zu berücksichtigende Kriterien sind z.B. sensorische Eigenschaften (Farbe, Geruch, Bruchkorn), der Grad der Verunreinigung (z.B. durch Steine, Schädlinge oder Samen), Rückstands- und mikrobiologische Analysen (Gesamtkeimzahl, Pflanzenschutzmittel, Schwermettale oder Mycotoxine) oder chemisch-physikalische Eigenschaften (Protein- Stärke- oder Wassergehalt). Sowohl die Emsland Group, als auch die Plant Based Ingredients GmbH nehmen keine Gemenge an.

Viele verarbeitende Unternehmen bieten Anbauverträge an. So können Anforderungen an Qualität und Anbau erfüllt und die Rückverfolgbarkeit gewährleistet werden. Für die landwirtschaftlichen Betriebe ergibt sich dadurch eine Absicherung und Planungssicherheit, sowie die Möglichkeit einer Anbauempfehlung oder -beratung. Die Vertragsangebote der Abnehmer variieren. Landwirtschaftliche Betriebe, die sich für den Anbau der Körnererbse interessieren, sollten zur Prüfung der Wirtschaftlichkeit verschiedene Angebote einholen. Für Nordzucker Plant Based Ingredients GmbH besteht im Jahr 2025 wieder die Möglichkeit sich für die Ernte 2026 zu registrieren.

3.3 Industrielle Nutzung als nachwachsender Rohstoff

Neben der Verarbeitung für die Lebensmittelindustrie, kann die Körnererbse auch als nachwachsender Rohstoff für die industrielle Verarbeitung verwendet werden. Die Emsland Group verarbeitet Erbsenstärke zum Beispiel für die Glasfaser-, die Textil- und die Papier- bzw. Verpackungsindustrie. Wachsende Aufmerksamkeit gewinnt die Erbsenschale. Sie kann für die Lebensmittelverarbeitung nicht verwendet werden, deswegen werden andere Verarbeitungsmöglichkeiten erarbeitet. Dazu zählt die Verwendung von Erbsenfasern aus der Schale für die Herstellung von Kunststoffbehältern. Die Verwendung von Erbsenfasern reduziert den Kunststoffanteil und beeinflusst die Stabilität der Behälter.

Ob für die Nutzierfütterung, Lebensmittelverarbeitung oder als nachwachsender Rohstoff – die Körnererbse ist vielseitig einsetzbar. Von Seiten der Verarbeiter besteht Bedarf, der zukünftig auch noch wachsen kann. Der Vertragsanbau bietet für landwirtschaftliche Betriebe die Möglichkeit der Planungssicherheit und der engen Zusammenarbeit mit dem Verarbeiter.

Als Grundlage für diese Ausarbeitung diente der Erbsen-Network Tag am 19.09.2024, eine Veranstaltung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und der Marketinggesellschaft der niedersächsischen Land- und Ernährungswirtschaft e. V., im Rahmen des Projekts LeguNet. Das LeguNet informiert u.a. über Vermarktungswege, stellt modellhafte Wertschöpfungsketten dar und bietet Unterstützung für die Gründung von Erzeugergemeinschaften. Mehr dazu finden Sie hier.

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Bräutigam et al. (2021): Erbsen und Ackerbohnen anbauen und verwerten. Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), 1. Aufl.

Molsen, W. (2025): Erbsen als regionale Kultur mit Potenzial, online, 7. Juli 2025