Gemengeanbau
Gemengeanbau
Der Gemengeanbau ist eine vor allem ökologischen Landbau genutzte Möglichkeit, den Boden durch den gemischten Anbau zweier Kulturarten effizienter zu nutzen. Er führt zu höheren Gesamterträgen von 5 bis 15 Prozent (Quelle), weil die Wurzelsysteme mehrere Arten den Boden besonders intensiver und vielfältiger beleben als beim Anbau nur einer Kulturpflanzenart. Hinzu kommt die Stickstoffbindefähigkeit der Leguminosen. Es gibt viele verschiedene Kombinationsmöglichkeiten z.B. von Leguminosen (z.B. Ackerbohne, Erbse, Lupine) mit Getreide (z.B. Hafer, Gerste, Triticale). Bewährte Gemenge auf den Bioland-Hof von Jörg-Wilhelm Ostermann (bei Uelzen) sind Gerste/Erbse, Triticale/Wintererbse und Leindotter/Erbse. Auch Leindotter/Linse und Hafer/Kichererbse sind vielversprechend (Quelle: LWK Nds). Trotz der Vorteile, auch bei der Unterdrückung von Unkräutern, werden die Potentiale des Gemengeanbaus bisher bei weitem nicht ausgeschöpft, zum einen weil man auf jedem Standort ausprobieren muss, welche Partner am besten zusammenpassen, und weil die Trennung der verschiedenen Saaten am Ende ein kostenträchtiges Problem ist, wenn man nicht alles gemischt verfüttern kann.

Die Trennung verschiedener Samen (und oft auch schon ihre Ernte) ist auch ein wesentliches Problem, wenn man verschiedene Kräuter und Gräser anbaut. Hier stören auch die verschiedenen "Unkräuter" extrem, zumal man sie in solchen Kulturen ganz besonders schlecht bekämpfen kann. Manche Wildkräuter werden als Heil- oder Gewürzpflanzen, die meisten aber für die Anlage von Blühflächen und für den Landschaftsbau produziert.

Bei der Wiederbegrünung z.B. von Straßenrändern und Bahnböschungen dürfen nur gebietsheimische Arten aus der speziellen Region verwendet werden. Einige Landwirte in Niedersachsen haben sich auf die Saatenproduktion von solchen Wildkräutern spezialisiert (Beispiel). Zwei- bis dreistellige Preise für ein Kilogramm Saatgut und eine hohe Nachfrage sind verlockend und die teilweise sehr tief wurzelnden und mehrjährigen Pflanzen können wirksam zum Humusaufbau beitragen. Manche Wildkräuterarten könnten auch als Bei- und Untersaaten oder auch Zwischenfrüchte wertvolle Dienste leisten, wie z.B. Spitzwegerich, der als „biologischer Nitrifikationshemmer“ vor allem im Maisanbau erprobt wird. 

Die Produktion von Wildpflanzensaatgut ist eine große Herausforderung: Anbau, Ernte und Saatgutrenigung!
Die Produktion von Wildpflanzensaatgut ist eine große Herausforderung: Anbau, Ernte und Saatgutrenigung!

Es bedarf erheblicher Investitionen an Zeit und Geld die Samen solcher Kräuter zu produzieren, denn

  • es gibt dazu kaum Fachliteratur, d.h. man muss sehr viel ausprobieren, auch bezogen auf den jeweiligen Standort.
  • Es ist sehr schwierig, die „Begleitvegetation“ in den mehrjährigen Wildkräuterkulturen zu regulieren.
  • Man muss damit rechnen, dass sich Rehe und andere Tiere die sonst seltenen und teilweise gesundheitsförderlichen Kräuter fressen.
  • Die Aussaat bzw. Pflanzung der Kräuter muss erlernt werden.
  • Die Ernte erfolgt mit modifizierten Parzellenmähdreschern, die so eingestellt werden, dass sie das feine Samenmaterial nicht rausblasen.

Anlage zur Sortierung und Reinigung von Saatgut
Anlage zur Sortierung und Reinigung von Saatgut
 Eine besondere Kunst ist die Ausbereitung des Erntegutes: Die teilweise sehr kleinen Kräutersamen müssen mit Spezialmaschinen gereinigt, sortiert und verpackt werden. Die Sortierung kann mit verschiedensten Siebanlagen, aber auch mit optischen Techniken erfolgen. Diese dafür erforderlichen Investitionen lohnen sich nicht für Betriebe, die nur wenige Hektar Kräuter anbauen. Hier ist es sinnvoller, sich eines spezialisierten Dienstleisters bedienen. (siehe Beispiel Hof Grote)

Die möglichst vollständige Trennung der Erzeugnisse ist auch beim Gemengeanbau ein ganz entscheidendes Problem, soweit das Gemenge nicht als Futter gemischt verwertet werden kann. Der hohe Trennungsaufwand lohnt sich aktuell vor allem für höherpreisigen Produkte des Ökolandbaus. Durch einen effizienteren Technikeinsatz bei entsprechenden Dienstleistern ließe sich der ökologisch besonders wertvolle und produktive Gemengeanbau vielleicht auch in konventionellen Betrieben vermehrt anwenden.

Wenn die saubere Trennung der Gemengepartner den Transport zu einer zentralen Aufbereitungsanlage erfordert, könnte es zur Minimierung des Transportaufwandes sinnvoll sein, auch effiziente Verpackungssysteme für Produkte in kleinen und großen Einheiten und den Versand der Gebinde direkt beim Sortierungsdienstleister zu installieren und den Transport von dort zu den Endkunden (oder Zwischenhändlern) durchzuführen. Hier wären Investitionen in Forschung und die Unterstützung der notwendigen Technikdienstleister sehr sinnvoll, um dadurch einen vielfältigeren und damit ökologisch und wirtschaftlich stabileren Ackerbau in größerem Umfang zu ermöglichen.

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