Der Anbau und die Verwertung von Haselnüssen ist eine sehr alte Form der Produktion hochwertiger Nahrungsmittel, die mit einer relativ hohen Kohlenstoffbindung auf der Fläche verbunden ist. Da die Ernte und Verarbeitung der Nüsse allerdings viel Arbeitseinsatz erfordert, kommt sie in Deutschland aber nur selten vor. Die meisten Haselnüsse werden importiert, vor allem aus der Türkei. Mit den relativ niedrigen Preisen der Importware kann man nur konkurrieren, wenn man spezielle Vermarktungsstrategien (Direktvermarktung online oder ab Hof, „aus der Region“ oder Bioqualität) nutzt.

Die meisten deutschen Haselnussanbauer sind in Süddeutschland ansässig, aber auch in Thüringen gibt es Versuche und sogar in Niedersachsen hat sich ein Landwirt für diese Kultur begeistert: Nachdem Hendrik Hoffmann im Jahre 2026 zunächst mit dem Pflanzen von Walnussbäumen begonnen hatte, stieg er 2019 mit 0,6 ha in die Haselnussproduktion ein. Seit 2021 pflanzte er weitere 3 ha eingezäunter Fläche mit Haselnusssträuchern und probiert auch Mandeln und Pimpernüsse aus. Die hochstämmigen Haselsträucher vor allen der Sorten Hallesche Riesen, Katalonski und Rote Zellernuss werden im 5 x 5m-Verband gepflanzt.

Dieser Pflanzabstand wir auch in Bayern empfohlen für optimalen Maschineneinsatz (Quelle): So kann ein 40 PS-Schlepper mit einem (vorhandenen) Mulcher kreuz und quer durchfahren, um die Bodenvegetation niedrig zu halten. Neben dem Kurzhalten der Bodenvegetation ist auch ein regelmäßiger Schnitt der Sträucher erforderlich und in Dürreperioden auch eine Bewässerung.

Die Investitionskosten in eine Haselnussplantage sind beträchtlich. Hinzu kommt, dass sich erst nach 6 - 7 Jahren die ersten Erträge ergeben. Die einmalige Investition kann dann aber viele Jahrzehnte lang genutzt werden. Der Verkaufspreis liegt bei etwas 1.000 €/kg Nüsse. Außer den genannten Pflegemaßnahmen genügt nach Ansicht von Hendrik Hoffmann alle drei Jahre eine Düngung mit Pferdemist zusätzlich zu dem Mulchen mit dem gemähten Kleegras. Die Gefährung durch den Haselnussbohrer könnte idealerweise durch die Beweidung der Fläche mit Hühnern erfolgen, aber es gibt auch noch andere Ansätze: Vortrag zum Haselnussbohrer, Natalia Riemer (Uni Kassel), Januar 2024.

Zur Erntezeit werden unter den Büschen Netze gespannt, um die herabfallenden Nüsse aufzufangen (und vom feuchten Boden fernzuhalten). Als gewerbliche Kunden hat Hendrik Hoffmann bisher die Ölmühle in Boffzen und einen Fleischer, der eine Haselmettwurst herstellt.  Er plant, sich eine Knackmaschine zu beschaffen und damit ggfs. auch Lohnaufträge zu übernehmen. Die Haselnusschalen kann man gut verheizen, aber auch zur Zucht von Austerpilzen oder als Mulchmaterial für Hobbygärtner verwerten. Nach seinen eigenen Erfahrungen mit der mühsamen Suche nach geeigneten Haselnusspflanzen für die Anlage einer Plantage zu bekommen, bietet er jetzt selbst Pflanzgut an und man kann ihn auch als Berater engagieren: SollingNuss

Insgesamt bestätigt dieses Beispiel aus Niedersachsen das Fazit des Projektes InnoHasel Thüringen 2 worauf es für einen wirtschaftlich sinnvollen Haselnussanbau ankommt:

  • Individuelle wirtschaftliche Betrachtung notwendig
  • Standortauswahl, Wasserverfügbarkeit/ Bewässerung, Anbauplanung, Schutz und Pflege der Junggehölze/ Baumstreifpflege, Verfügbarkeit AK
  • Ertragsstabilität für lange Standzeiten ist risikobehaftet
  • Hohe Investition, Verfügbarkeit von (Eigen-)Kapital, Nutzung von Fördermöglichkeiten,
  • Chance als Nischenkultur in der Direktvermarktung für Betriebe, die über entsprechende Strukturen bereits verfügen und hinsichtlich Aufbereitung (Dienstleistung) gut vernetzt sind. Nachfrage ist vorhanden!
  • Chance einer hochwertigen Veredelung

Zumindest die beiden letzten Punkte spielen auch bei Britta Schumacher-Stechmann aus Mittelnkirchen im Alten Land eine wesentliche Rolle, die neben dem Haselnussanbau auch eine Haselnussmanufaktur betreibt und ihre Produkte über benachbarte Hofläden vermarktet.

Weitere Erkenntnisse im Flyer Haselnussanbau mit innovativen Anbausystem

Bericht über das Projekt „Inno-Hasel Thüringen“ mit Links zu Detailvorträgen

Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft: Website "Ist der Anbau von Haselnüssen zur Fruchtgewinnung in Bayern wirtschaftlich möglich?" mit vielen Links zu Vorträgen usw. 

Das Projekt NuPiWi (Heimische Erzeugung von Nüssen und Pilzen als gefragte und gesunde Eiweißquellen durch Wissenstransfer fördern) der Uni Kassel gibt einen Newsletter mit aktuellen Informationen und Hinweisen auf Tagungen heraus!

Haselnüsse können auch in Kombination mit der Trüffeln (siehe dort) angbaut werden.

Praktische Beispiele

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