Am 9. Januar 2020 berichtete der "Hühnerwald-Pionier" Jochen Hartmann aus Lüneburg-Rettmar von seinen Erfahrungen mit Pappelstreifen in der Freilandhühnerhaltung: Die ersten Versuche mit mobilen Ställen auf Grünland zeigten, dass sich die Hühner nicht weit von ihren Ställen entfernen, weil sie (sehr berechtigte!) Angst vor dem Habicht hatten. Basierend auf der Erkenntnis, dass Hühner eigentlich Waldvögel sind, ließ sich Hartmann von Burkhardt Kaiser beraten und pflanzte streifenweise Pappeln auf die Hühnerauslaufflächen. Im ersten Jahr wuchsen diese auf ca. 3 m Höhe heran und bieten den Hühnern seitdem Schutz vor Angriffen aus der Luft und auch vor Hitze. Der letzte Aspekt wurde in den letzten Sommern besonders wichtig und Jochen Hartmann plante auch beschattete Plätze, wo die Mobilställe an Tage mit über 30 Grad C stehen können.

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Nicht nur optisch und klimatisch machen ihm die Gehölzstreifen Freude, sondern auch betriebswirtschaftlich: So waren die Investitionskosten vergleichsweise gering und wurden bereits durch die stark verminderten Verluste durch den Habicht kompensiert. Kostenmindernd wirkte auch der Einsatz von etwa 50 Freiwilligen (Kunden mit ihren Kindern), die die Pappelruten mit in den Boden steckten und das Engagement des Großabnehmers Edeka, der die Stecklinge bezahlte. Wegen der für sie deutlich erkennbaren „naturnahen“ Haltung der Hühner und der guten Qualität zahlen die Kunden für die Eier auch gerne 40 Cent ab Hof oder 45 Cent bei Edeka. Dazu ist auch kein teures „Label“ erforderlich, sondern durch die Sichtbarkeit der Haltungsbedingungen, sodass die Bilanz sehr positiv wird, obwohl 1 -1,5 ha Fläche pro Mobilstall (mit je 240 Hühnern) gebraucht werden, um eine ausreichende Regenera­tion des Grünlandes nach etwa einer Woche Beweidung zu ermöglichen. Da das wöchentliche Umsetzen von Mobilzäunen eine recht unangenehme Arbeit ist, besonders bei trockenem Boden, fiel der Entschluss, jeweils einzelne Parzellen mit Grünland und Pappelstreifen dauerhaft einzuzäunen.

In einem 15minütigen Video berichtet Hartmann über die ersten acht Jahre Erfahrungen mit der vielfältigen Nutzung des Agroforstsystems (Pappelholz + Hühner + Alpakas + Rinderweide + Ackernutzung) und die sehr positive Entwicklung des Artenreichtums: sogar die Feldlerche brütet dort trotz der nahen Bäume!) 

Im Rahmen des Projektes KlimaFarming wurde gemessen, wie sich die Umwandlung des früheren Ackers in das multifunktionale Agroforstsytem auf die Kohlenstoffspeicherung im Boden ausgewirkt hat: Innerhalb von 8 Jahren wurden auf den Hühnerweiden 39 t Kohlenstoff (= 143 t CO2) je ha und innerhalb der Baumstreifen  15 t C (= 55 t CO2) festgelegt:  

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Diese sehr beeindruckenden Ergebnisse und den fachlichen Hintergrund dazu erläutert Dr. Norman Gentsch von der Leibniz-Universität Hannover in einem einem 45minütigen Online-Vortrag.

Nach wie vor sind "Hühner-Wälder" die häufigsten Agroforstsysteme in Niedersachsen: Ein großer ökonomischer Vorteil für Freilandhühnerhalter ist hier mit einer hohen Kohlenstoffanreicherung auf früheren Ackerflächen verbunden. In einem kürzeren Video wird das Prinzip Hühnerwald und andere Methoden des Humusaufbaus von Hof Schierholz anschaulich erläutert: wir stehen drauf - Schierholzer Wiesenei - Bodenregeneration in Tierhaltung & Ackerbau. Weitere Informationen und praktische Hinweise:  https://www.hühner-wald.de/

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