Die Kohlenstoffspeicherung im Boden, aber vor allem auch in der ober- und unterirdischen Biomasse kann auf landwirtschaftlichen Flächen deutlich und dauerhaft gesteigert werden, wenn Bäume in Agroforstsystemen oder in Form von Kurzumtriebsplantagen (KUP´s) geplanzt werden. Die Erzeugung von Holzbrennstoffen ist dabei das "klassische" Wirtschaftsziel. Bedingt durch eine Verdreifachung des Verbraucherpreises für leichtes Heizöl in Deutschland von 1995 bis 2008 (Quelle: Statista) wurden in dieser Zeit viele Untersuchungen zu „Anbau und Nutzung von Bäumen auf landwirtschaftlichen Flächen“ durchgeführt und ein entsprechendes Fachbuch wurde veröffentlicht. Danach sank der Ölpreis zeitweilig wieder und die Energieholzproduktion wurde für manchen Landwirt unrentabel. Erst seit dem erneuten Preisanstieg mit Beginn des Krieges in der Ukraine und durch die Klimaschutzgesetzgebung wuchs das Interesse an der Bioenergieerzeugung und -nutzung in den letzten Jahren deutlich. Es werden immer mehr Nahwärmenetze  gebaut und zu deren Versorgung werden vermehrt Pappeln in Form von KUP´s und Agroforstsystemen gepflanzt (Praxisbeispiele Neindorf, Nordhorn und Wendhausen). Insbesondere die Pflanzung von Pappeln in Agroforstsystemen kann nicht nur zur Energieversorgung landwirtschaftlicher Betriebe oder ganzer Dörfer beitragen, sondern gleichzeitig die Ackerböden vor Wasser- und Winderosion schützen und Produktionsverluste in Dürreperioden mindern. Allein letzteres kann ausreichen, um die Verluste an Ackerfläche durch die Gehölzstreifen zu kompensieren. Zudem tragen Gehölzstrukturen auch besonders zur Entwicklung einer höheren Biodiversität bei, von der auch die benachbarten Ackerflächen profitieren können.

Modernes Agroforstsystem bei Gehrden 2,5 Jahre nach der Pflanzung der Pappelstecklinge: Es werden Messungen zur Verdunstung durchgeführt.
Modernes Agroforstsystem bei Gehrden 2,5 Jahre nach der Pflanzung der Pappelstecklinge: Es werden Messungen zur Verdunstung durchgeführt.

Statt die Holzhackschnitzel direkt zur Wärmeerzeugung zu verbrennen, kann es auch wirtschaftlich sinnvoll sein, sie in Pflanzenkohle umzuwandeln und die Abwärme dieses Prozesses zum Heizen zu nutzen. Die Pflanzenkohle kann für vielfältige Zwecke u.a. in der Landwirtschaft genutzt werden und durch ihre Produktion und dauerhafte "Einlagerung" im Boden (auch nach vorheriger Nutzung im Stall oder in der Biogasanlage) können die vermehrt nachgefragten "carbon dioxide removal credits" (CDR) generiert und damit zusätzliche Betriebseinnahmen erzielt werden. Auch durch die zusätzliche Kohlenstoffspeicherung in Humus und Gehölzen können CDR-Credits generiert werden, aber im Falle von Pflanzenkohle kann mit einer besonders sicheren und dauerhaften Kohlenstoffbindung gerechnet werden, was diese Bindungsform wertvoller macht. 

Eine Pilotanlage in Hanstedt (Firma Carbon Collectors) soll Wege aufzeigen, wie die Produktion von Pflanzenkohle zum Geschäftsfeld in der Landwirtschaft werden kann.

Das wirtschaftliche Ziel der Pflanzung von Pappeln (oder auch anderen Baumarten) auf landwirtschaftlichen Flächen muss sich nicht auf die Energieholz- oder Pflanzenkohleproduktion beschränken: Angesichts des Rückganges der Fichtenholzproduktion im deutschen Wald einerseits und der politischen Zielsetzung eines Wechsels von ölbasierten zu biogenen Rohstoffen (Bioökonomie), ist mit einer wachsenden Nachfrage insbesondere nach Pappelholz auf für chemische und stoffliche Zwecke zu rechnen. Im aktuell laufenden Projekt PappelWert werden solche Möglichkeiten, wie sie in anderen europäischen Ländern stärker verbreitet sind, gerade untersucht und erprobt.

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