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Die meisten Ölpflanzen sind wertvolle Nektarlieferanten, bereichern Fruchtfolgen und die Kulturlandschaft insgesamt und tragen mit ihren teilweise intensiven Wurzelwerk (z.B. Raps, Hanf, Sonnenblumen) besonders gut zum Humusaufbau, bzw. zur Verbesserung der Bodenstruktur bei. Außerdem hat er weitere agronomischen Vorteile: Als Blattfrucht passt z.B. der Raps gut in die Fruchtfolge mit Getreide, da er keine Krankheiten oder Schädlinge auf Halmfrüchte überträgt. Raps ist die wichtigste Ölpflanze in Niedersachsen mit einer Anbaufläche von ca. 100.000 ha. Da die Preise stark von globalen Entwicklungen abhängig sind – etwa der Soja-Produktion, dem Ölmarkt, der internationalen Zollpolitik und geopolitischen Krisen – kann es sinnvoll sein, Pflanzenölprodukte selbst herzustellen und als regionale Marke direkt zu vermarkten. Das kann allerdings immer nur ein Betrieb in einer dafür passenden Region schaffen. (1)

Die Ölmühle
Die Ölmühle
Ein Beispiel dafür ist der Hof Künne („Deine Ölmanufaktur in der Region“) in Eggermühlen. Der selbst angebaute Raps (mit Buchweizen als Untersaat!) wird vollständig selbst verarbeitet. Hinzu kommen jeweils 1 – 2 ha Sonnenblumen, Senf und Leindotter, sowie 27 ha Hanf und weitere Ölsorten aus zugekauften Pflanzen.

Verkauf des Öls in verschiedenen Gebinden
Verkauf des Öls in verschiedenen Gebinden
Nach drei Jahren Entwicklungszeit hat der Betriebszweig im Jahr 2025 die Gewinnschwelle erreicht. Dazu waren und sind noch Investitionen in eine Ölmühle, Verpackungs- und Vermarktungsmöglichkeiten erforderlich. Die Abfüllung und Etikettierung der Flaschen erfolgt derzeit noch von Hand. Dem Rapsöl werden teilweise verschiedenste Kräuter zugesetzt. Eine besonders wichtige Stütze des Umsatzes sind größere Gebinde, die an Kinos im nahen Osnabrück für die Popkornherstellung geliefert werden. Andere große Kunden sind ein Hersteller von Pesto und Pizzerien. Das Pesto wird bisher schon als Eigenmarke vertrieben und soll in Zukunft auch auf dem eigenen Hof hergestellt werden. Aktuell sind 1,5 Arbeitskräfte in diese Betriebszweig beschäftigt, zu dem auch ein kleiner Hofladen und die Durchführung von werbewirksamen Betriebsbesichtigungen und Verkostungen (mit Grillen) auf dem Hof für Besuchergruppen gehört. Der Einstieg in das „Ölgeschäft“ könnte auf Hof Künne die nächste Generation dazu motivieren, den Betrieb, der bisher noch auf der Schweine- und Kartoffelproduktion basiert, in der Zukunft weiterzuführen.

Ein breites Sortiment von aromatisierten Ölen und weiteren Produkten im Hofladen
Ein breites Sortiment von aromatisierten Ölen und weiteren Produkten im Hofladen

Eine weitere und größere Ölmühle gibt es schon länger in Northeim / OT Hollenstedt. Dort gab es von 2008 bis 2012 sechs Ölpressen zur Herstellung Rapsöl für die Biodieselproduktion. Diese wurde durch die Erhebung der Mineralölsteuer unwirtschaftlich. Die zwischenzeitlich stillgelegte Mühle wurde im Lockdown 2021 wieder reaktiviert und für ein neues Geschäftsmodell von zwei Geschwistern reaktiviert: Die Ölacker GmbH & Co. KG. Die familieneigene Hollenstedter Agrar GbR baut als wichtigster Kooperationspartner der Ölmühle 13 Feldfrüchte an, die dort zu hochwertigen Speiseölen vermahlen. Eine professionelle Saatenreinigung ist bei so speziellen Ölsaaten erforderlich und wird in diesem Fall durch die Hollenstedter Agrar-Service GmbH& Co.KG durchgeführt, die zu diesem Zweck in die neuste Technik der Saatenreinigung investiert hat. Wegen der begrenzten Haltbarkeit der kalt gepressten Öle und zur Sicherung der Liquidität des Betriebes werden die Öle immer nach Bedarf gepresst.

Manche Rohstoffe werden von anderen Landwirten aus der Region zugekauft, die damit ihre Fruchtfolgen bereichern. Der Iberische Drachenkopf (Lallematia iberica) z.B. ist eine einjährige krautige Pflanze, die auch auf trockenen Böden gut auskommt, da sie sehr tief wurzeln kann. Befruchtet werden die Blüten vor allem von Bienen und Hummeln. Die Samen haben einen Ölgehalt von bis zu 38%. Sie enthalten einen hohen Anteil an Alpha-Linolensäure und sind somit sehr wertvoll für die menschliche Ernährung. Auch Schlafmohn (Papaver somniferum) wird dank eines Fettgehalts von 40–50 % auch zur Gewinnung von Öl genutzt, als kaltgepresstes Speiseöl oder für kosmetische Zwecke (z.B. Hautcremes und Seifenherstellung (3). Diesen baut ein Landwirt aus dem nahen Sudheim zur Bodenverbesserung an. (4) Mohn ist eine interessante Nischenkultur mit geringem Nährstoffbedarf  und guter Vorfruchtwirkung durch die tiefgehende Wurzel, die auch in Dürreperioden hilfreich ist. Durch die großen rosa-lilafarbenen Blüten bereichert er das Landschaftsbild. Die Gefahr der Verunkrautung und die rechtlichen Vorgaben erschweren jedoch den Anbau. (5)

Die Produkte des Firma Ölacker werden im Rahmen der Regionalen Erzeugergemeinschaft Südniedersachsen e.V. in über 40 Verkaufsstellen, z.T. in Edeka und Rewe-Märkten, im südöstlichen Niedersachsen und über einen Online-Shop angeboten. Auch einige Saaten und Hummus finden sich im Online-Angebot. Durch die Nutzung einer 100% lichtgeschützten Dosenverpackung soll auch eine überregionale Vermarktung möglich werden.

Das Drachenkopföl vom Ölacker wurde als herausragendes Lebensmittel von Herstellern aus niedersächsischen Regionen ausgezeichnet und darf jetzt das Label „Kulinarischer Botschafter Niedersachsen 2024“ tragen. Die mit dem Label gekennzeichneten Produkte sollen den Verbraucherinnen und Verbrauchern Genuss-Kompetenz, regionale Herkunft und Produktverantwortung aus Niedersachsen signalisieren. (6)

Öllein
Dem professionellen Müllerwesen entstammt die Ölmühle in Godenstedt im Landkreis Stade. Der staatlich geprüfte Techniker für Mühlenbau und Müllermeister Christian Müller hat sich auf die Lohnverarbeitung / Lohnpressung (mit 100% Öko-Strom), vor allem von Leinsamen, Raps, Kürbiskernen, Schwarzkümmel, Hanf, Wal- und Haselnüssen spezialisiert, alles kalt gepresst (unter 40 °C) und in Bio-Qualität (7). Die Rohstoffe kauft er überregional (z.B. in Polen) ein, der Vertrieb der empfindlichen Öle erfolgt dann aber regional auf Wochenmärkten und in Hofläden, sowie über den Onlineshop . In diesem gibt es eine Extrarubrik für Pferde und Hunde, und zwar nicht nur Öle, sondern auch Presskuchen, sowie Obst- und Gemüsechips.

Christian Müller ist auf der Such nach Landwirten aus der Region, die für ihn z.B. hochwertigen Flachs anbauen können. Dabei legt er Wert auf höchste Qualität, die durch ständige Kontrollen gewährleistet wird. Ist der Sommer z.B. zu trocken, so kann das zur Folge haben, dass das Leinöl leicht bitter schmeckt.

Eine weitere Ölmühle, die Raps aus dem eigenen landwirtschaftlichen Betrieb verarbeitet, ist die Freiherr Knigge Ölmühle im Deistervorland.

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(1)  https://landvolk.net/lpdartikel/rapsbluete-in-niedersachsen-frueh-kraeftig-hoffnungsvoll/ <15.05.2025>

(2) Mayer, Corinna (2022). Regionale Speiseöle von Anfang an. Land&Forst 26/2022, S. 52

(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Schlafmohn <15.05.2025>

(4) https://oelacker.de/partner/ <15.05.2025>

(5) TFZ (2020). Mohn (Papaver somniferum L. ssp. somniferum)

(6)  https://oelacker.de/uncategorized/drachenkopoel-wird-mit-dem-kulinarischen-botschafter-2024-ausgezeichnet/ <15.05.2025>

(7) Jülisch, Melanie (2021). Leinsaat als Quelle für „flüssiges Gold“. Land&Forst 36/2021, S. 67