Eine weitere und größere Ölmühle gibt es schon länger in Northeim / OT Hollenstedt. Dort gab es von 2008 bis 2012 sechs Ölpressen zur Herstellung Rapsöl für die Biodieselproduktion. Diese wurde durch die Erhebung der Mineralölsteuer unwirtschaftlich. Die zwischenzeitlich stillgelegte Mühle wurde im Lockdown 2021 wieder reaktiviert und für ein neues Geschäftsmodell von zwei Geschwistern reaktiviert: Die Ölacker GmbH & Co. KG. Die familieneigene Hollenstedter Agrar GbR baut als wichtigster Kooperationspartner der Ölmühle 13 Feldfrüchte an, die dort zu hochwertigen Speiseölen vermahlen. Eine professionelle Saatenreinigung ist bei so speziellen Ölsaaten erforderlich und wird in diesem Fall durch die Hollenstedter Agrar-Service GmbH& Co.KG durchgeführt, die zu diesem Zweck in die neuste Technik der Saatenreinigung investiert hat. Wegen der begrenzten Haltbarkeit der kalt gepressten Öle und zur Sicherung der Liquidität des Betriebes werden die Öle immer nach Bedarf gepresst.
Manche Rohstoffe werden von anderen Landwirten aus der Region zugekauft, die damit ihre Fruchtfolgen bereichern. Der Iberische Drachenkopf (Lallematia iberica) z.B. ist eine einjährige krautige Pflanze, die auch auf trockenen Böden gut auskommt, da sie sehr tief wurzeln kann. Befruchtet werden die Blüten vor allem von Bienen und Hummeln. Die Samen haben einen Ölgehalt von bis zu 38%. Sie enthalten einen hohen Anteil an Alpha-Linolensäure und sind somit sehr wertvoll für die menschliche Ernährung. Auch Schlafmohn (Papaver somniferum) wird dank eines Fettgehalts von 40–50 % auch zur Gewinnung von Öl genutzt, als kaltgepresstes Speiseöl oder für kosmetische Zwecke (z.B. Hautcremes und Seifenherstellung (3). Diesen baut ein Landwirt aus dem nahen Sudheim zur Bodenverbesserung an. (4) Mohn ist eine interessante Nischenkultur mit geringem Nährstoffbedarf und guter Vorfruchtwirkung durch die tiefgehende Wurzel, die auch in Dürreperioden hilfreich ist. Durch die großen rosa-lilafarbenen Blüten bereichert er das Landschaftsbild. Die Gefahr der Verunkrautung und die rechtlichen Vorgaben erschweren jedoch den Anbau. (5)
Die Produkte des Firma Ölacker werden im Rahmen der Regionalen Erzeugergemeinschaft Südniedersachsen e.V. in über 40 Verkaufsstellen, z.T. in Edeka und Rewe-Märkten, im südöstlichen Niedersachsen und über einen Online-Shop angeboten. Auch einige Saaten und Hummus finden sich im Online-Angebot. Durch die Nutzung einer 100% lichtgeschützten Dosenverpackung soll auch eine überregionale Vermarktung möglich werden.
Das Drachenkopföl vom Ölacker wurde als herausragendes Lebensmittel von Herstellern aus niedersächsischen Regionen ausgezeichnet und darf jetzt das Label „Kulinarischer Botschafter Niedersachsen 2024“ tragen. Die mit dem Label gekennzeichneten Produkte sollen den Verbraucherinnen und Verbrauchern Genuss-Kompetenz, regionale Herkunft und Produktverantwortung aus Niedersachsen signalisieren. (6)
Christian Müller ist auf der Such nach Landwirten aus der Region, die für ihn z.B. hochwertigen Flachs anbauen können. Dabei legt er Wert auf höchste Qualität, die durch ständige Kontrollen gewährleistet wird. Ist der Sommer z.B. zu trocken, so kann das zur Folge haben, dass das Leinöl leicht bitter schmeckt.
Eine weitere Ölmühle, die Raps aus dem eigenen landwirtschaftlichen Betrieb verarbeitet, ist die Freiherr Knigge Ölmühle im Deistervorland.
Zurück zur KlimaFarming-Projektseite
(1) https://landvolk.net/lpdartikel/rapsbluete-in-niedersachsen-frueh-kraeftig-hoffnungsvoll/ <15.05.2025>
(2) Mayer, Corinna (2022). Regionale Speiseöle von Anfang an. Land&Forst 26/2022, S. 52
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Schlafmohn <15.05.2025>
(4) https://oelacker.de/partner/ <15.05.2025>
(5) TFZ (2020). Mohn (Papaver somniferum L. ssp. somniferum)
(6) https://oelacker.de/uncategorized/drachenkopoel-wird-mit-dem-kulinarischen-botschafter-2024-ausgezeichnet/ <15.05.2025>
(7) Jülisch, Melanie (2021). Leinsaat als Quelle für „flüssiges Gold“. Land&Forst 36/2021, S. 67